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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2019
Sie herrschen mit Gott
Wie es zu sexualisierter und spiritueller Gewalt in der Kirche kommt
Der Inhalt:

Nachgefragt: Abwechselnd bei Mama und Papa wohnen?

von Barbara Tambour vom 22.02.2019
Fragen zum Wechselmodell für Scheidungskinder an Familienrechtlerin Hildegund Sünderhauf

Publik-Forum: Sie forschen seit zehn Jahren zum Thema Wechselmodell. Damit ist gemeint, dass Kinder nach der Trennung ihrer Eltern sowohl bei der Mutter als auch beim Vater leben, und alle paar Tage oder jede Woche zwischen beiden wechseln. Warum finden Sie das gut?

Hildegund Sünderhauf: Im günstigsten Fall ist es eine Lebensform, von der alle profitieren: Mütter, Väter, Kinder. Die Kinder gewinnen am allermeisten. Denn sie erleben Alltag mit beiden Eltern. Die Mutter profitiert, weil sie nicht alles alleine stemmen muss. Und die Väter profitieren auch, weil sie sich längst nicht mehr nur als Ernährer ihrer Kinder sehen, sondern das Leben mit ihnen teilen wollen.

Während es in anderen europäischen Ländern längst der Regelfall ist, gibt es in Deutschland Widerstand dagegen. Warum?

Sünderhauf: Weil unreflektiert falsche Behauptungen übernommen werden. Etwa, das Wechseln schade dem Kind. Beim Residenzmodell, wo das Kind meist bei der Mutter wohnt und den Vater jedes zweite Wochenende und einen Nachmittag in der Woche besucht, wechselt es doch auch: zwölf Mal im Monat.

Aber ist es nicht doch besser, wenn ein Kind ein festes Zuhause hat, an dem es lebt?

Sünderhauf: Das Wichtigste für Kinder sind stabile Beziehungen – viel wichtiger als ein festes Kinderzimmer.

Die FDP möchte das Wechselmodell zum Leitbild machen. Wenn es so käme, müssten sich alle getrennten Eltern danach richten?

Sünderhauf: Natürlich nicht. Alle Eltern können die Betreuung ihrer Kinder nach der Trennung regeln, wie sie es für richtig halten. Der Staat wird nur aktiv, wenn sich ein Elternteil ans Gericht wendet. Diese Sorgerechtsstreitigkeiten bringen viel Leid in die Familien, denn es gibt dabei immer einen Sieger und einen Verlierer.

Wie soll das gehen, wenn die Eltern nicht so viel Geld haben, dass beide sich eine Wohnung mit Kinderzimmer leisten können?

Sünderhauf: Nach dem Wohngeldgesetz bekommen beide Eltern volles Wohngeld, wenn sie ihr Kind halbe-halbe betreuen. Kleidung und Spielzeug muss man auch nicht doppelt anschaffen, wenn man bereit ist, mehr davon hin- und herzutransportieren. Und wer sein Kind nur am Wochenende sieht, ha

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