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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2019
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Der Inhalt:

Schutzraum für Schülerinnen

von Knut Henkel vom 08.02.2019
Bolivien: Das Mädchen-Internat der Lutherischen Kirche in Caranavi

Das abgestoßene weiße Metalltor schimmert im frühen Morgenlicht. Eine Gruppe junger Mädchen steht vor dem offenen Tor, über dem der Schriftzug »Centro de Apoyo Pedagogico Verena Walls« prangt. Das Zentrum der pädagogischen Unterstützung Verena Walls befindet sich in Caranavi, 170 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt La Paz, in der Kaffeeregion Boliviens.

Ein höherer Schulabschluss ist für Mädchen in Bolivien oft nicht möglich – vor allem auf dem Land. Ein Internat der Lutherischen Kirche in Caranavi bietet dreißig Mädchen eine Chance. »Wir haben das Internat 2010 gegründet, weil wir den Eltern helfen wollen, ihre Mädchen auf die weiterführende Schule zu schicken«, sagt Emilio Aslla. Der 53-jährige Seelsorger ist Präsident der kleinen, etwa 18 000 Gläubige zählenden lutherischen Kirche in Bolivien. Die engagiert sich im benachteiligten ländlichen Raum. Dort leben neun Zehntel ihrer Gläubigen. »Wir glauben, dass wir dort besser helfen können. Unser Mädchen-Internat in Caranavi ist dafür ein Beispiel. Es ist stets ausgebucht«, so Aslla.

Der Pfarrer besucht das Internat regelmäßig und sorgt dafür, dass Erzieherin Corina Ninachoque alles Nötige hat, um die Mädchen zu betreuen. »Viele Eltern schicken ihre Töchter nicht auf die weiterführende Schule, weil sie befürchten, dass sie sexuell belästigt werden oder früh ein Kind bekommen. Der andere Grund ist Geldmangel«, berichtet die 31-Jährige. Sie lebt mit den Mädchen im Internat. Errichtet wurde es dank deutschen Spenden vom Gustav-Adolf-Werk. Corina Ninachoque unterstützt die Mädchen zwischen zwölf und siebzehn Jahren auf dem Weg zum Abitur. »Wir organisieren Nachhilfe, wenn nötig. Wir passen aber auch auf, dass Männer die Mädchen nicht belästigen.« Das kommt in Bolivien häufig vor, wie die hohe Quote von Schwangerschaften von Minderjährigen ebenso belegt wie die Statistik von Vergewaltigungen und Entführungen junger Frauen. Erst vor wenigen Tagen rief Corina Ninachoque die Polizei, weil ein Mann einer 14-Jährigen Avancen machte und damit auch nicht aufhörte, als er erfuhr, dass sie minderjährig ist. Kein Einzelfall; manche Mädchen, die Ninachoque betreut, wurden schon sexuell belästigt. Deshalb versucht Pfarrer Aslla Mittel für eine Psychologin zu beschaffen. »Wir müssen einfach mehr tun für die Rechte von Frauen und Mädchen«, sagt er und blickt den Mädc

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