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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2018
Was ist der Mensch wert?
Der Preis des Lebens und die Würde des Menschen
Der Inhalt:

Gekommen, um zu bleiben

von Simone Schlindwein vom 09.02.2018
In Uganda steht das größte Flüchtlingslager der Welt. Anders als in Europa erhält dort jeder Asyl, ein Stück Land und eine Arbeitserlaubnis. Geht das gut? Ein Besuch

Neben dem Schlagbaum im Auffanglager Elegu herrscht Chaos. Hier, an der Grenze von Uganda zum Südsudan, kommen im Minutentakt Menschen angelaufen. Kinder weinen, sie sind ausgezehrt, müde und hungrig. Frauen werfen ihre Bündel mit Habseligkeiten ab, die sie über Dutzende Kilometer geschleppt haben. Sie sind erschöpft. Ein brutaler Bürgerkrieg im Südsudan hat die Mehrheit der Bevölkerung vertrieben. Wer es schafft, rettet sich über die Grenze – nach Uganda. Der Krieg, ethnisch motivierte Massaker sowie die Hungerskatastrophe von 2016 haben fast zwei Millionen Sudanesen zur Flucht in die Nachbarländer gezwungen. Mehr als die Hälfe davon sucht Zuflucht in Uganda.

Die registrierten Flüchtlinge werden von Elegu aus mit Lastwagen landeinwärts gebracht. Sie kommen aus dem Sudan, aus Burundi, dem Kongo. Ugandas Regierung hat gemeinsam mit Hilfsorganisationen Lager errichtet. Fast jeden Monat muss ein neues aus dem kargen Boden gestampft werden, so rasch füllen sie sich. Mittlerweile steht hier das größte Lager weltweit: BidiBidi. Es bietet rund 270 000 Menschen Platz. Doch auch BidiBidi ist jetzt voll. Nun will die Regierung die Flüchtlinge in den Süden bringen.

Nakivale ist Ugandas älteste Flüchtlingssiedlung, sie liegt nahe der Grenze zu Tansania. Nur eine staubige Straße führt hierher; es gibt kaum Dörfer drumherum. Die Landrechte liegen – anders als in anderen Landesteilen – bei der Regierung, die an die Flüchtlingsfamilien Grundstücke verteilt. So entstand inmitten der unbesiedelten Savanne eine Flüchtlings-Kleinstadt. Mehr als 100 000 Menschen beherbergt sie derzeit, die meisten stammen aus dem Kongo oder Burundi. So wie der Bauer Pierre Karimumujango: Er ist 2015 aus Burundi geflohen. Mit seiner Frau und drei Kleinkindern hat er sich zuerst ins Nachbarland Ruanda gerettet. Doch die Flüchtlingslager dort waren überfüllt, erzählt er. Von seinem letzten Geld habe er Bustickets nach Uganda gekauft. Nur mit den Kleidern am Leib waren sie in Nakivale eingetroffen: »Als wir hier ankamen, hatten wir nichts. Aber immerhin haben die Ugander gesagt, wie können bleiben«, erzählt er. Neben Lebensmitteln hat er Holz bekommen, um ein Haus zu bauen. Das Grundstück ist nicht groß, deswegen hat er nur ein kleines Haus gebaut und auf dem übrigen Boden Maniok angepflanzt.

Karimumujangos Hütte schmiegt sich an den Hang eines kargen Hügels. Ringsum wird gebau

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