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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

Ende einer Illusion

Die Bündnisgrünen entzaubern den Wachstumsfetischismus der Regierung

Selten zuvor wurde die platte Ausrichtung der Politik am Wirtschaftswachstum so entzaubert wie vor wenigen Wochen im Deutschen Bundestag. Zwar sonnte sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in einer Prognose von 1,7 Prozent Wachstum für dieses Jahr. Doch dann wiesen die Bündnisgrünen mit eigenen Berechnungen nach, dass der Wohlstand in Deutschland seit Jahren stagniert – in einigen Bereichen ist er sogar rückläufig.

Hinter den unterschiedlichen Ergebnissen steht die Frage, wie Wohlstand gemessen wird. Für Politik und Wirtschaft gilt: Wenn in einem Jahr mehr Waren und Dienstleistungen produziert und bezahlt wurden als im Vorjahr, dann wird ein steigender Wohlstand diagnostiziert.

Doch das Bruttoinlandsprodukt als Wohlstandsmaß ist ein Selbstbetrug. Denn es wächst auch durch mehr Verkehrsunfälle, durch umweltzerstörende Investitionen oder durch zunehmende Krankheiten, weil auch diese negativen Entwicklungen eben mehr Produktion nach sich ziehen Ein Faktor wie soziale Gerechtigkeit, der viel zum Wohlbefinden beiträgt, fließt dagegen erst gar nicht in die Berechnungen ein. Deshalb sagt ein bloßer Anstieg des Bruttoinlandsprodukts wenig über Wohlstand.

Um den echten Wohlstandsgewinn zu messen, bezogen die Bündnisgrünen die ökologischen Schäden durch Wachstum, die Verringerung der Artenvielfalt oder die wachsende soziale Ungleichheit als negative Faktoren in die Wohlstandsmessung ein. Das Ergebnis: Der echte Wohlstand stagniert seit vielen Jahren.

Viele werden dies als statistischen Kleinkram abtun. Doch es geht um mehr. Würden in den Jahreswirtschaftsbericht auch Ziele wie Umweltschutz oder soziale Gerechtigkeit einfließe