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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2015
Anders wachsen, jetzt!
Die gute Wirtschaftslage bietet die große Chance für die Abkehr vom »Immer-mehr«
Der Inhalt:

Steiniger Weg

von Susanne Stiefel vom 13.02.2015
Sexuelle Übergriffe in der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal: Die Aufklärung geschieht nur sehr schleppend

Manchmal ist ihm alles zu viel. Die Flut von Leidensgefährten, die sich hilfesuchend an ihn wenden und endlich ihre Geschichte erzählen wollen. Die Absprachen mit den Unterstützern, die zahlreichen Anfragen der Medien, die Verhandlungen mit der Evangelischen Brüdergemeinde. Dann ist Detlev Zander für ein paar Tage weder für Freund noch Feind erreichbar. Der 54-Jährige ist schließlich kein Manager, sondern ein missbrauchtes Heimkind, das nie über seine Vergangenheit gesprochen hat. Bis er in der Mitte seines Lebens vor der Alternative stand: »Reden oder abtreten.«

Als er sich im Frühjahr 2014 gegen das Abtreten und für eine Klage gegen die pietistische Brüdergemeinde in Korntal entschied (Publik-Forum 13/2014), trat er damit eine Lawine los, unter der er sich heute manchmal wegducken muss. Dann bleibt sein Handy aus, damit er seine Batterien aufladen kann. Als Heimkind lernt man Überlebensstrategien.

Dabei ist Detlev Zander froh, dass endlich Bewegung in die Sache kommt. Inzwischen haben sich mehr als 200 ehemalige Korntaler Heimkinder bei der Interessengemeinschaft Heimopfer Korntal gemeldet, die Detlev Zander gemeinsam mit einer Handvoll Leidensgefährten gegründet hat. Sie alle haben ihre Erfahrungen mit Schlägen, sie mussten Erbrochenes essen, litten unter den Misshandlungen und der Kälte der Erzieherinnen und Erzieher. Sie kämpfen darum, dass sich die Brüdergemeinde ihrer Verantwortung stellt. Dabei erleben sie häufig, dass ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt wird, wie damals, als sie noch Heimkinder waren. Doch sie geben nicht auf.

Ihre monatelange Hartnäckigkeit hat sich gelohnt. Die Württembergische Landeskirche, die viel zu lange schwieg, hat sich kürzlich in der Stuttgarter Online-Zeitung Kontext erstmals zu Wort gemeldet. Dort betonte Landesbischof Frank Otfried July: »Mein Augenmerk gilt der schonungslosen und transparenten Aufarbeitung«, und mahnte die pietistische Gemeinschaft: »Es wäre schön, wenn man in Korntal die Kommunikation verbessern könnte.« Sein langes Schweigen erklärte der Landesbischof mit der besonderen Stellung der Korntaler Pietisten als eigenständige Körperschaft in der württembergischen Landeskirche. Unterm Dach der Kirche befinden sie sich gleichwohl, denn sie sind auch in der Landessynode vertrete

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