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Wie tickt Israel?

von Elisabeth Zoll vom 13.02.2009
Besteht nach dem brutalen Gaza-Krieg noch die Chance für die Zweistaatenlösung? Fragen an Moshe Zuckermann

Der Krieg in Gaza, Barrieren und Homelandisierung im Westjordanland. Will Israel überhaupt ein überlebensfähiges Palästina?

Moshe Zuckermann: Israel betreibt schon seit vielen Jahren eine Politik der Trennung, die die Besatzung mit anderen Mitteln fortführt. Man hat sich aus dem Gazastreifen zurückgezogen, den Raum dann aber eingekeilt und eine neue Abhängigkeit von Israel geschaffen.

Offiziell wird von einer Zweistaatenlösung gesprochen. Hat sie überhaupt noch eine Chance?

Zuckermann: Politisch gibt es keine andere Möglichkeit. Das Problem liegt darin, dass durch Israels Politik die Trennung zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland derart eklatant ist, dass sich die Palästinenser massiv untereinander bekriegen. Die Frage, wie der neue Staat aussehen soll, ist auch unter den Palästinensern nicht zu klären. Die islamischen Fundamentalisten im Gazastreifen und die Fatah im Westjordanland sind konträre politische Kräfte. Dass es jedoch so weit gekommen ist, liegt mit daran, dass Israel an einer Zweistaatenlösung gar nicht interessiert ist. Diese wäre ja ohne Abzug aus den besetzten Gebieten nicht zu haben.

Wäre ein Abzug durchsetzbar?

Zuckermann: Es gibt keine größere israelische Partei, die fähig wäre, einen solchen militärischen Rückzug durchzusetzen, ohne dass es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen käme.

Stehen einem Friedensprozess neben diesen Fakten auch israelische Mythen im Weg?

Zuckermann: Ja. Das Hauptproblem liegt darin, dass die Siedlungspolitik nichts mehr mit Sicherheit oder geopolitischen Erwägungen zu tun hat. Religiös fundamentalistische jüdische Siedler begannen vor vielen Jahren, von einer Rückkehr in das Land der Urväter zu sprechen. Das ist ein Mythos. Einen anderer lautet: Die Araber wollten die Juden ins Meer werfen. Damit wird die Sicherheitslage ideologisiert. So etwas lässt die militärische Machtkonstellation im Nahen Osten schon seit Jahrzehnten nicht mehr zu. Das sieht man in Gaza. Da wurde eine armselige Gegend von einer der stärksten Militärmächte der Region zermalmt.

Das Leid der Palästinenser scheint die Mehrheit der Israelis nicht zu kümmern. Fehlt es den Israelis an Informationen?

Zuckermann: Nein. Man hat sich von innen her verhärtet und will von dem Leiden anderer nichts wissen. Das Ausmaß des Krieges wird rationalisiert. So muss man nicht an die 300 getöteten Kinder im Gazastr

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