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Wie tickt die Hamas?

von Katja Dorothea Buck vom 13.02.2009
Anfangs gewaltfreier Widerstand, später Selbstmordattentate, heute Qassam-Raketen. Fragen an Helga Baumgarten

Seit ihrer Gründung 1987 will die Hamas die Palästinenser von der Besatzungsherrschaft Israels befreien. Im Laufe der Jahre verfolgte sie verschiedene Strategien: Zuerst den gewaltfreien Widerstand der ersten Intifada, dann Bombenanschläge, dann Selbstmordattentate und jetzt Qassam-Raketen. Mit keiner Strategie war die Hamas erfolgreich. Die Not der Menschen in Gaza ist schlimmer denn je. Wie geht die Hamas mit dieser Bilanz um?

Helga Baumgarten: Zuerst einmal muss man fragen, warum es den Menschen schlechter denn je geht. Schauen Sie ins Westjordanland. Dort gibt es derzeit weder Selbstmordattentäter noch Qassam-Raketen. Präsident Mahmud Abbas verhandelt immer wieder neu mit Israels Regierung. Für die Menschen im Westjordanland hat sich aber nichts verbessert. Im Gegenteil. Die Siedlungen werden ausgebaut, ebenso die Mauer, und die Aussicht auf einen eigenen Staat rückt immer weiter in die Ferne.

Mit der Strategie der zunehmenden Gewalt hat die Hamas aber auch nicht viel bewirkt. Gaza liegt in Schutt und Asche.

Baumgarten: Was Sie als Spirale der Gewalt darstellen, liest sich beim genaueren Hinsehen doch ein wenig anders. Man könnte durchaus argumentieren, dass die Hamas in den bewaffneten Widerstand gedrängt worden ist. Schließlich wurde der gewaltfreie Widerstand in all seinen Formen während der ersten Intifada von der israelischen Regierung kriminalisiert. Menschen wurden verhaftet, nur weil sie demonstriert hatten. Als die Hamas 1989 die ersten bewaffneten Angriffe durchführte, nahm sie ausschließlich militärische Einrichtungen ins Visier. Damals galt offensichtlich die Maxime, dass Zivilisten nicht Opfer des bewaffneten Widerstands werden dürften.

Die Selbstmordanschläge hatten doch aber ein klares Ziel: So viele Opfer wie möglich.

Baumgarten: Das Massaker in der Ibrahims-Moschee in Hebron 1994 stellt einen Wendepunkt dar. Damals erschoss ein radikaler Siedler 29 Muslime beim Gebet, im Ramadan und mitten in einer der heiligsten Moscheen im Lande. Erst als Reaktion darauf gab es Selbstmordanschläge. Außerdem bot die Hamas Israel direkt darauf an, dass beide Seiten sich verpflichten sollten, Zivilisten herauszuhalten. Israel willigte damals nicht ein. Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin hat übrigens nach seiner Freilassung aus israelischer Haft im Oktober 1997 den Stopp der Selbstmordattentate angeordnet. Bis März 2001, also vier Jahre lang, gab es keine Se

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