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Sehnsucht nach Claudia

von Constanze Bandowski vom 13.02.2009

Am schlimmsten ist die Sehnsucht nach der Kleinen. Jeden Tag vermisse ich Claudia, jede Stunde, jede Minute. Wenn ich mir ihr Foto über dem Bett anschaue, könnte ich heulen. Was können wir nur tun, um als Familie wieder zusammen zu leben? Wie könnten wir Claudia zu uns holen? Oder schnell nach Guatemala zurückkehren?

Eigentlich wollten wir - Rubén und ich - nur ein paar Jahre in Hamburg arbeiten, Geld sparen und damit in Guatemala ein Haus in Río Hondo bauen. Ich habe dort ein kleines Stück Land, aber nicht genug Geld für ein Haus. Hamburg kannte ich schon aus meinen beiden Jahren als Au-pair-Mädchen. 1995 und 1997 habe ich hier ganz legal bei deutschen Familien gelebt, daher kann ich auch noch ein bisschen Deutsch. Als ich Rubén kennenlernte, habe ich ihm oft von Hamburg erzählt.

Wir hatten beide ganz gute Jobs in Guatemala. Ich arbeitete bei einer Tankstelle und bekam etwa 350 Euro pro Monat. Das ist gutes Geld in Guatemala. Der Durchschnittslohn lag damals bei 130 Euro. Rubén war bei einer Telekommunikationsfirma angestellt. Er hatte sogar ein eigenes Auto. Die Firma bezahlte Strom, Miete, Sprit für das Auto. Außerdem verdiente er 250 Euro. Uns ging es also ziemlich gut. Dann hat mein Chef drei Leute rausgeworfen. Mein Job wurde unsicher. Gleichzeitig verlor auch Rubén seine Anstellung.

Also dachten wir wieder an Hamburg. Wir besorgten uns ein Touristenvisum für Deutschland, liehen uns Geld und kauften zwei Flugtickets. Ein Freund, der bei einer Bank arbeitete, gab uns eine goldene Kreditkarte zum Vorzeigen. Außerdem hatten wir 1000 Euro Bargeld dabei. Damit sind wir gut durch den Zoll gekommen.

Als wir im Juni 2005 hier ankamen, hatte sich alles verändert. Ich kannte keine Leute mehr, die Telefonnummern hatten sich geändert, das guatemaltekische Konsulat war umgezogen und die katholische Kirche half uns auch nicht weiter. Um elf Uhr nachts kamen wir an und wussten nicht wohin. Unser Hotel kostete 75 Euro pro Nacht. Das konnten wir nicht lange bezahlen. Bald standen wir auf der Straße. Zum Glück hatten wir die Adresse eines iranischen Disko-Besitzers. Der nahm uns erst einmal auf, er war wie ein Papa für uns. An den nächsten Tagen fuhren wir mit der U-Bahn kreuz und quer durch die Stadt. Wir sprachen Leute an, die lateinamerikanisch aussahen. In Altona hatten wir Erfolg: Jemand vermittelte uns eine Familie, bei der ich nun dreimal die Woche putze und auf die Kinder aufpasse. Ich bekomme zehn Euro pro Stunde, das ist in

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