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Riester und die Finanzkrise

von Wolfgang Kessler vom 13.02.2009
Private Vorsorge hält nicht, was Lobbyisten versprochen haben. Dieses Versprechen kommt die Deutschen teuer zu stehen

Was war das damals für eine Kampagne? Immer mehr Alte, immer weniger Junge - die gesetzlichen Renten seien nicht mehr sicher, rechneten forsche Wissenschaftler vor rund zehn Jahren pausenlos vor. Am Ende erreichten sie die Einführung der staatlich gestützten privaten Vorsorge, benannt nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester. Doch diese erweist sich inzwischen als teurer Sieg der Wirtschaftslobby.

Mehr als verhalten klingt sogar die Bilanz der Bundesregierung: »Am Ende muss immer mindestens das eingezahlte Kapital plus staatliche Zulagen als Zusatzrente zurückfließen. Das bewährt sich in diesen Tagen.« Da fragt man sich: Was bewährt sich denn da? Dass die Anleger ihre eingezahlten Beiträge herausbekommen plus die staatlichen Zuschüsse, ist wohl das Mindeste, was sie erwarten können.

Aber war da nicht mal von höheren Renditen als in der gesetzlichen Rentenversicherung die Rede? Davon spricht heute niemand mehr. Wo sollen diese höheren Renditen auch herkommen? Etwa von Aktien? Angesichts der Finanzkrise ist die Regierung schon froh, dass die Banken und Versicherungen das Geld der Beitragszahler fast nie bis zu jenen dreißig Prozent des Kapitals in Aktien gesteckt haben, die gesetzlich zulässig sind. In der Praxis flossen nur knapp zehn Prozent der Beiträge in Aktien - und das reduziert in Zeiten der Finanzkrise das Risiko. Dafür werden fast siebzig Prozent der Riesterbeiträge in Pfandbriefe und Staatsanleihen investiert. Die Erträge der Riesterrente kommen also mehrheitlich von den Steuerzahlern. Und das soll nun die Alternative zur gesetzlichen Rente sein!

Als absurd hat sich auch die Hoffnung erwiesen, die Renditen der Riesterrenten könnten durch Anlagen auf dem globalen Kapitalmarkt gesteigert werden, weil eine Krise nie alle Staaten gleichermaßen erfassen würde. Die Finanzkrise zeigt jedoch: In Zeiten der Globalisierung sind auch die Krisen global.

Widerlegt ist auch die Hoffnung, eine kapitalgedeckte Rente könnte der demografischen Entwicklung ein Schnippchen schlagen. Wer´s glaubt, wird selig. Die Renten der künftigen Ruheständler müssen in jedem Rentensystem von den Jüngeren bezahlt werden - sei es über Steuern, sei es über Beiträge oder jede andere Beteiligung der Älteren am wirtschaftlichen Wohlstand der Jüngeren. Der Unterschied besteht nur darin, dass bei der Riesterrente noch teure Banken und Versicherungen dazwischengeschaltet werden. Im Vergleich zu deren hohen Kosten für Provisionen, Gewinne und Verwa

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