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Liebe, Mut und Gerechtigkeit

von Norbert Copray vom 13.02.2009
Spirituelle Texte eines bischöflichen Propheten

Hélder Câmara
Haben ohne festzuhalten
Texte für eine bessere Welt. Mit einem
Vorwort von Abt Odilo Lechner.
Pendo. 208 Seiten. 14,95 ?

Das Jubiläum kommt zur richtigen Zeit. Weltwirtschaftskrisen, Krisen der Finanz- und Bankenwelt, Offenbarungseid wirtschaftlicher Gier. Und die Zeche der Reichen zahlen die Armen. In der katholischen Kirche werden ultrareaktionäre Tendenzen bestärkt und fortgesetzt. Statt befreiende Theologie und Politik der Ökumene gibt es bedrückende Theologie und Politik der Spaltung. Sie gibt es inzwischen schon Jahrzehnte. Und eines ihrer ersten Opfer war der Erzbischof Dom Hélder Câmara, dessen 100. Geburtstag sich am 7. Februar und dessen 10. Todestag sich am 27. August jährt. Er gilt als der Begründer der südamerikanischen Basisgemeinden, als Geburtshelfer und Verteidiger der Befreiungstheologie, als glaubwürdiger Prophet eines Christentums der Befreiung und der Gerechtigkeit.

Câmara war 1984 seitens des Vatikans durch einen Nachfolger ersetzt worden, der die Basisgemeinden in seinem Bistum Olinda und Recife erstickte. Danach ging Kardinal Joseph Ratzinger systematisch gegen alle führenden Köpfe der Befreiungstheologie vor. Câmara indes bekam 14 internationale Friedenspreise. 1972 sagte er: »Wenn die Kirche nicht den Mut hat, ihre eigenen Strukturen zu reformieren und ihren Lebensstil zu verändern, wird sie niemals die moralische Kraft haben, die Strukturen der Gesellschaft zu kritisieren.« Zentralistische Lösungen wie auch Gewaltanwendung waren ihm ein Gräuel.

Câmara widerfuhren Schikanen, Überwachung, Rufmord und anonyme Todesdrohungen. Der Erzbischof wohnte in einem kleinen Haus; sein Bischofspalais machte er zum offenen Haus für Obdachlose und zum Zentrum der Menschenrechtsarbeit. Er verteilte die Ländereien seiner Erzdiözese an landlose Bauern, die von den Großgrundbesitzern vertrieben worden waren. Unter seinem Einfluss entwickelte sich die Brasilianische Bischofskonferenz zu einem geistig-politischen Machtzentrum.

Publik-Forum lud Câmara Anfang der 1970er-Jahre nach Frankfurt ein; dort fand er eine begeisterte Zuhörerschaft. Publik-Forum rief zu einem Câmara-Fonds auf. Über eine Million Mark wurden in Norwegen, Holland, Belgien und Deutschland für einen Volks-Nobel-Preis für Dom Hélder gesammelt.

Im Pendo-Verlag erschien 1971 Câmaras erster Text auf Deutsch. Viele weitere Texte folgten,

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