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Kein Schweigen der Lämmer

von Norbert Sommer vom 13.02.2009
Benedikt und die Piusbrüder schaffen es nicht, der Welt einen Maulkorb zu verpassen. Zu schockierend sind die Fakten über die Lefebvrianer

Wie weit der Realitätsverlust im Vatikan gediehen ist, zeigte der Pressesprecher des Papstes, Frederico Lombardi, als er anlässlich der offiziellen Mitteilung über die Aufhebung der Exkommunikation der vier von Marcel Lefebvre geweihten Bischöfe von einer »schönen Nachricht« sprach. Von einer, die ihn hoffen lasse, dass sie eine »Quelle der Freude in der ganzen Kirche« sei.

Freude war eigentlich nur bei den Ewiggestrigen zu spüren, während sonst in der Kirche bis hinauf zu Bischöfen - ein bisher einmaliger Vorgang - die päpstliche Entscheidung »mit brennender Sorge« wahrgenommen und kritisiert wurde. Deshalb fielen die Rechtsaußen in der Kirche auch wütend über sie her: »In diesen Reigen haben sich in den letzten Tagen zahlreiche Judasse, Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle eingeschlichen. Es sind die bischöflichen Kameradenschweine, die dem Papst, der Kirche und dem Glauben in den Rücken fallen, um sich im beißenden Rauch einer teuflischen Meute zähnefletschender Kirchenverfolger zu profilieren«, formulierte kreuz.net auf seiner Website am 5. Februar.

Amtskirchlicherseits begegnete man der Welle der Kritik mit Ausflüchten wie »Missverständnis«, »Fehler im Management«, oder »Betriebsunfall«. Fast stets ging es dabei nur um die unglaublichen Äußerungen des von Rom rehabilitierten Bischofs Richard Williamson zur Shoah. Das heißt: Es ging ausschließlich um Williamsons Leugnung der Gaskammern und der Ermordung von sechs Millionen Juden. Äußerungen, die er seit 1989 immer wiederholt hat.

Doch der römische Sündenfall ist noch viel komplexer. Es geht um die grundlegenden Positionen und Ziele der Priesterbruderschaft Pius X., die von Benedikt XVI. offensichtlich bei seinem einseitigen Versöhnungsangebot nicht wahr- oder ernst genommen wurden. Noch schlimmer wäre der Verdacht: Sie haben ihn nicht gestört. Benedikt reichte den Reaktionären jedenfalls bedingungslos die Hand.

Als einzige Entschuldigung oder zumindest Erklärung für das päpstliche Verhalten könnte man anführen, dass er den Kampagnen der Piusbrüder zum Opfer fiel. Diese hatten in Gestalt ihres als gemäßigt hingestellten Generaloberen, Bischof Bernard Fellay, am 26. Oktober 2008 in Lourdes einen »Rosenkranz-Kreuzzug« proklamiert, um den Papst auf die Seite der Bruderschaft zu ziehen. Fellay hatte damals gesagt: Seine Gemeinschaft habe der Mutter Gottes das Wunder zu verdanken, »dass wir nach zwanzig Jahren hier sind, ohne vom Kurs abgewichen zu sein«. All

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