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Ein Mensch aus Eis

von Lea Gerschwitz vom 13.02.2009
Plakataktion der Berliner Stadtmission gegen Not in der Kälte

Ein frierender Mensch kauert mit angezogenen Knien auf Kartons, die auf dem Boden liegen. Mit einer Wolldecke notdürftig zugedeckt, umklammert er verkrampft seine Oberarme. Sein Gesicht ist ausdruckslos. Der obdachlose Mann ist aus Eis. Er ist auf einem Plakat im Berliner Stadtteil Mitte abgebildet. Hier, an einer Straßenbahnhaltestelle, wurde Ende Januar eine Kampagne der Berliner Stadtmission gestartet, die zu Spenden für die Kältehilfe aufruft. Mit Unterstützung des Berliner Konzerns Wall AG werden die Menschen auf 1000 Werbeflächen im ganzen Stadtgebiet aufgefordert: »Spenden Sie Wärme.«

»Es ist wichtig, dass wohnungslose Menschen nicht vorgeführt werden«, betont Ortrud Wohlwend, Öffentlichkeitsreferentin der Berliner Stadtmission. Darauf habe man bei der Plakataktion geachtet. Die Eisfigur hat der Münchner Künstler Thomas Tremml eigens für diesen Zweck gestaltet. Das Bild wurde in einer Unterführung am U-Bahnhof Alexanderplatz aufgenommen. Die Pressefrau findet das passend: »Ein Ort, der mitten in der Stadt ist, aber trotzdem verborgen.« So unsichtbar seien die Obdachlosen häufig auch, sagt sie und zieht ihren Wintermantel enger zusammen.

Mit 150 000 Euro unterstützt die Firma Wall AG die Kampagne. Es ist bereits das zweite Jahr der Zusammenarbeit. »Auch in Zukunft soll die Kooperation weiter bestehen«, sagt Beate Stoffers, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Die Stadtmission ist auf solche Spenden angewiesen: Sie bietet 150 Notübernachtungsplätze. Für sechzig kommt die Stadt auf. Hinzu kommen Projekte, die nur mithilfe von Spenden bezahlt werden können. Eines ist der »Kältebus«, der von Anfang November bis Ende März unterwegs ist.

Ein zweiköpfiges Team fährt mit dem Kleintransporter durch die Stadt und sucht Wohnungslose im Freien auf. Die Menschen bekommen heißen Tee oder warme Socken. Oder sie werden zur Notübernachtung gebracht. »Der Kältebus ist vor allem ein Symbol für die draußen, dass sie nicht vergessen werden«, erklärt Ortrud Wohlwend. Einige wollten auch einfach nur reden, sagt sie. Der Bus fahre jetzt im 15. Winter. Eines hätte sie nie erlebt: »Dass einer sagt: ?Haut ab!?«

Bei Minusgraden müssen in diesen Tagen in der Hauptstadt 4000 Obdachlose die Nacht im Freien verbringen. Das Einfachste, um zu helfen, versichert Wohlwend, sei, die Menschen anzusprechen. Im Notfall könne die Feuerwehr gerufen werden. »Es muss ja nicht Geld sein«, sagt sie. Erst kürzlich hätte eine Frau aus Berlin-Reinickendorf

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