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Das Misstrauen bleibt

von Günther B. Ginzel vom 13.02.2009
Als der Papst seine Unschuld verlor: Anmerkungen zu einem Skandal

Wie »kurz und bündig« das kommentieren, was sich in den letzten Wochen ereignete? Wie »mit kühlem Kopf« die Entscheidungen des Pontifex beschreiben, die einen so sehr entsetzten, empörten und enttäuschten? Welche Überschrift finden, um in Schlagworte zu fassen, was doch so viel komplexer ist, als es die vatikanische Strategie zur Schadensbegrenzung vorgaukelt?

Danke, Bischof Williamson! Oder: Wie ein Dummkopf die katholische Kirche vor Kollaboration mit den Ewiggestrigen bewahrt.

Denn was wäre geschehen, wenn sich dieser Mann nicht vor die Kameras des schwedischen Fernsehens gesetzt und minutenlang Neonazismus pur vorgetragen hätte? Getoppt von dem Hinweis, dass alles, was er vortrage, in Deutschland strafbar sei? War das sein Dank für die bevorstehende Rücknahme der Exkommunikation? Und wie ist es erklärbar, dass sofort erzkonservative Websites für distanzlose Verbreitung der rechtsextremen Hetze sorgten?

Eine katholische Variante der Deutschen Christen? Soll am katholisch-germanischen Wesen die Welt genesen?

»Wir sind stolz darauf, durch die Gnade Gottes Katholiken zu sein ... (und) stolz darauf, Deutsche zu sein.« So Pater Franz Schmidberger in seinem »Vorwort des Distriktoberen« in der Januarausgabe 2008 der Mitteilungsblätter der Bruderschaft. Und weiter: »Kann das talmudische Judentum außerhalb demjenigen, den seine Vorfahren gekreuzigt haben, das Heil finden?« Da ist es nicht überraschend, wenn er für seine unglaubwürdige Distanzierung vom Antisemitismus ausgerechnet die Hauspostille der sich intellektuell gebenden Rechtsextremisten, die Jungen Freiheit, wählt. Ohne den Skandal um Williamson wäre uns dieser Hintergrund verborgen geblieben. Sicher, es wären uns auch die sich überschlagenden Einschätzungen diverser Sprecher des Zentralrats der Juden erspart geblieben, die offenbar unwillig sind, verständliche Empörung in eine würdige Form des Protestes umzusetzen. Jüngste Albernheit: der Aufruf zum Boykott der Woche der Brüderlichkeit.

Derlei Aufgeregtheiten hätten beinahe das tiefer liegende Problem überdeckt. Die Heimholung einer - vom Zweiten Vatikanischen Konzil überwundenen - Katholizität, die sich vor Jahrhunderten mit dem Ruf »Tod oder Taufe« mörderisch profilierte.

Die Piusbrüder oder: Vom Überleben der Kreuzzugstheologie.

Dass diese Entwicklung zurück zur »allein selig machenden katholischen Kirche« vorerst abgewendet wurde, hä

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