Zur mobilen Webseite zurückkehren

»Dahin gehen, wo es brennt«

von Lea Gerschwitz vom 13.02.2009
Sebastian Krumbiegel tourt für Toleranz und Weltoffenheit durch sächsische Schulen. Ein musikalischer Botschafter auf Lesereise

Die Aula ist bis auf den letzten der 200 Plätze belegt. Fünf Karten gab es für jede Klasse. Die Schüler und ihre Lehrer, Elternvertreter und viele andere nehmen auf den grünen Plastikstühlen Platz. Die Fensterseite ist durch schwere Samtvorhänge verdeckt, von der Decke hängen goldene Lampen mit nackten Glühbirnen. Das Bühnenbild besteht aus Worten: Auf zwei schwarz-roten Aufstellern sind in weißen Buchstaben »Traum«, »Angst«, »Hoffnung«, »Heimat«, »Liebe« und »Flucht« zu lesen. Popsänger Sebastian Krumbiegel aus Leipzig ist unterwegs. An diesem Nachmittag ist er im Weißeritzgymnasium in Freital zu Gast. Die kleine Stadt südwestlich von Dresden ist die letzte Station seiner musikalischen Lesereise.

Unter dem Motto »Ängste und Träume« ist Krumbiegel durch acht Schulen in Sachsen getourt. Drei Gymnasien, drei Mittelschulen und zwei Berufsschulen waren dabei. Auf die Mischung habe man geachtet, sagt Ralf Seifert, Referent im sächsischen Kultusministerium. Das ist Träger der Tour. Zusammen mit dem Gitarristen Kristof Hahn liest Krumbiegel, der Sänger der »Prinzen« aus dem Buch »Hoffnung säen«. Es geht um Lebensgeschichten von jungen Migranten in Deutschland. Begleitet werden sie von Schlagzeuger Thomas Fietz.

Anlass war das Projekt Bunte Gärten in Leipzig, das sich um die Integration von Flüchtlingen bemüht. Sebastian Krumbiegel unterstützte das Projekt in seiner Heimatstadt. »Dann kam irgendwann die Idee, die Geschichten öffentlich zu machen«, erzählt er. Dieser Einblick in das Leben ausländischer Mitbürger fördere ein tolerantes Miteinander. »Wir wollen keine Eulen nach Athen tragen, sondern dahin gehen, wo es brennt«, versichert der 42-Jährige.

In Meerane, Wurzen, Grimma, Mittweida, Hoyerswerda, Löbau, Pirna und eben Freital brennt es besonders. Diese Orte haben Schlagzeilen gemacht wegen Gewalt gegen Fremde. 861 rechts motivierte Straf- und Gewalttaten wurden 2007 in den neuen Bundesländern und Berlin gezählt, die meisten in Sachsen. »In Löbau zum Beispiel«, sagt Krumbiegel, »gibt es angeblich keine Probleme, aber die NPD kriegt 12 Prozent.« Der Musiker selbst bekam Fremdenfeindlichkeit am eigenen Leib zu spüren: Im Juni 2003 wurde er von zwei Neonazis in einem Leipziger Park zusammengeschlagen.

Das Thema bewegt die Schüler. Als einer fragt, was der Freistaat Sachsen gegen Rechtsextremismus unternehme, wippt der sächsische Kultusminister Roland Wöller mit seinen Lackschuhen nervös hin und her. Er stelle Mater

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen