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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2014
»Eine Schande für den Westen«
Hans-Christian Ströbele über Edward Snowdens Enthüllungen und die Folgen
Der Inhalt:

Wofür es sich lohnt zu leben

von Rupert Neudeck vom 31.01.2014
Ruth Pfau hilft seit sechzig Jahren Leprakranken in Pakistan. Ihr neues Buch offenbart: Sie ist dort auch eine politische Frau geworden

Als ich sie das erste Mal in dem Haus ihres Leprazentrums in Karachi sah, war mir schnell klar: Nichts hält diese Frau davon, sich mit irgendwelcher Prominenz zu umgeben, um der Welt zu zeigen, wer sie ist. Sie sitzt da jeden Morgen am Tisch und frühstückt mit denen, die gerade im Hause sind. So durften auch wir von der Organisation Grünhelme 2010 bei der Flutkatastrophe Station bei ihr machen, um dann mit ihren Mitarbeitern Häuser in den zerstörten Dörfern wieder aufzubauen.

Ruth Pfau, die große Helferin? Ja, aber sie ist viel mehr. Ihr neues Buch, das Mitte Februar erscheint, offenbart: Sie ist in Pakistan eine politische Frau geworden. Sie lebt von der Beobachtung und von dem sicheren Urteil der bewährten Mitarbeiter. Man könne die Vertreibung der Taliban gut finden, schreibt sie, aber dass dafür von der US-Air-Force so viele Hekatomben von Bomben auf Afghanistan abgeworfen wurden, kann sie nicht verstehen. Sie erlebt es immer wieder in Pakistan wie Afghanistan, den Ländern, in denen sie arbeitet: Mit Waffen und bewaffneten Interventionen gelingt kaum etwas. Es sind ohnehin schon viel zu viele Waffen in Pakistan.

Die Teilung Pakistans von Indien war ein Unglück und hätte sich – wie sie heute meint – verhindern lassen. Die Feindschaft zwischen Indern und Pakistanis will sie so sehen, wie sie als junge Studentin von Mainz aus in Paris zum Austausch war: Sie hatte das Gefühl, in Frankreich im Feindesland zu sein. »Kein Mensch käme heute mehr auf die Idee.« Von dieser Art der Versöhnung zwischen zwei Staaten träumt auch Ruth Pfau in Pakistan: »Jeder, der sich dort friedlich verhält, trägt dazu bei, dass Gewaltfreiheit eine Chance bekommt.«

Pakistan – das sagt die 84-jährige Ruth Pfau – ist wegen der Atombombe gefährlich, mehr als wegen der Taliban. Das Militär habe sich bereit erklärt, an drei verschiedenen Stellen diese Waffen so zu deponieren, dass nicht einer allein sie zünden kann. Aber es wurden Atomtests gemacht, zum Beispiel in Belutschistan. Man weiß, dass den Hirten in dieser Gegend noch heute aufgrund der radioaktiven Verseuchung das Vieh verendet.

Als in Kaschmir 2008 der Boden aufbrach, das Erdbeben die Gegend von Azad Kaschmir zerstörte, da haben wir Ruth Pfau gefragt: Was tun? Sie wusste sofort Rat, sie hat überall im Lande ganz besondere Bereitschaftsdienste: Jedes Team

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