Die Seele vom Gift befreien
Wenn Rudolf Szabo zu einem Gewaltpräventionsseminar mit Jugendlichen geht, hat er immer einen Sack Kartoffeln dabei. Dann fordert er die Teilnehmer auf, sich eine Kartoffel zu nehmen und mit dem Messer den Namen eines Menschen einzuritzen, über den sie sich in der letzten Woche besonders geärgert haben. »Es dauert nicht lange«, sagt Szabo, »dann sitzen sie alle mit drei, vier, fünf geritzten Kartoffeln da.« Neben den Namen wird auch der Grund für den Groll auf die Kartoffel gekratzt. Die Jugendlichen werfen die eingeritzten Kartoffeln in eine Stoff- oder Plastiktüte und müssen sie in den nächsten Tagen immer bei sich tragen. »Beim nächsten Treffen erzählen dann die meisten, wie unglaublich störend es ist, ständig mit so einer Tüte herumzurennen«, berichtet Szabo. »Zumal die Kartoffeln zu stinken beginnen.«
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