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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2013
Die Welt ist keine Kaffeetasse
Warum die Naturwissenschaften die Wirklichkeit nicht vollständig erklären können
Der Inhalt:

Wider den totalen Markt

von Norbert Copray vom 25.01.2013
Kraftvolles Plädoyer für weniger Ökonomie und mehr Moral

Michael J. Sandel
Was man für Geld nicht kaufen kann
Die moralischen Grenzen des Marktes. Ullstein. 300 Seiten. 19,99 €

Dieses Buch steht zu Recht seit Wochen auf der Bestsellerliste. Und zu Recht ist Michael Sandel ein Star der philosophischen Szene, ein »Sokrates in Harvard« (»Der Spiegel«), der mit seinem »Grundkurs über Gerechtigkeit«, den er in Harvard seit gut einem Vierteljahrhundert anbietet, über die Grenzen seines Fachs hinaus berühmt wurde und mehr als tausend Hörer pro Vorlesung anzieht.

Wer sein Buch in die Hand nimmt, wird es nicht so schnell wieder weglegen. Er wird von den scharfsinnigen Fragen, der klugen Argumentation, den vielfältigen Kenntnissen und der moralischen Kraft des Autors fasziniert sein. Das Buch kann so gut wie jeder verstehen. Und es betrifft jeden und jede.

Das fatale Triumphgeschrei der »Märkte«, die nach dem von ihnen erzeugten Desaster der Finanz- und Wirtschaftskrise nun wieder obenauf sind und – wie gerade für Goldman Sachs gemeldet – abermals mit krummen Touren die neu entwickelten Kontrollen und Reglementierungen zu umgehen wissen, stört Sandel fundamental. Da sitzt jeder Zwischenruf, jedes Argument. Er sucht und findet die »moralischen Grenzen des Marktes« und stellt monetäre Anreize auf den Prüfstand. Wer sich auskennt, wird an Fred Hirsch erinnert, der Ende der 1980er-Jahre die sozialen Grenzen des Wachstums aufzeigte und die Durchökonomisierung der Gesellschaften kritisierte. An ihn denkt auch Sandel, der diesen Ansatz ebenso wie den des buddhistischen Wirtschaftswissenschaftlers Karl-Heinz Brodbeck fortsetzt. Sandel glaubt nicht, dass die Gier als Erklärungsgrund für das Versagen der Märkte ausreicht: »Die schicksalhafteste Änderung der letzten drei Jahrzehnte war nicht die Zunahme der Gier. Es war die Ausdehnung der Märkte und ihrer Wertvorstellungen in Lebensbereiche, in die sie nicht gehören.«

»Alles ist käuflich«, das ist der triumphale Schlachtruf der Total-Ökonomisierer. Wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel die marktkonforme parlamentarische Mitbestimmung als politisches Ziel vornimmt, dann hat sie in Sandel den schärfsten Gegner. Denn mit Geld könne man weltweit Privilegien aller Art kaufen, wie »das Austragen eines Embryos durch eine indische Leihmutter zu 6250 Dollar«, »das Recht, ein schwarzes Nashorn in Süda

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