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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2013
Die Welt ist keine Kaffeetasse
Warum die Naturwissenschaften die Wirklichkeit nicht vollständig erklären können
Der Inhalt:

Vier Dutzend durften bleiben

von Thomas Seiterich vom 25.01.2013
Erfolgreich: Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Deutschland

»In Berlin steht die katholische Kirche ganz klar hinter uns und unserem Engagement. Angefangen bei den Kardinälen Sterzinsky und Woelki. Doch in München erleben wir solch eine Unterstützung kaum. Dort ignoriert man uns und hat wohl eher Furcht vor unserem konfliktbereiten, politischen Einsatz zugunsten der Flüchtlinge«, sagt Bruder Dieter Müller. Der Jesuit, der kein Priester werden, sondern aus Überzeugung ein einfaches Mitglied im Volk Gottes bleiben wollte, leitet den Jesuiten-Flüchtlingsdienst JRS in Bayern.

Dieter Müller arbeitet meistens auf derjenigen Etage der betagten Justizvollzugsanstalt in München-Stadelheim, die dem Freistaat Bayern heute als Abschiebe-Gefängnis dient. Dort befinden sich 35 Ein-, Zwei- und Dreimannzellen. Sie sind belegt mit Menschen, die keine Untersuchungs- oder Strafgefangenen sind, sondern Abschiebehäftlinge. Fast alle derjenigen, die auf ihre One-Way-Reise zurück ins Elend nach Afrika oder in einen der armen EU-Schengen-Staaten warten, sind Männer zwischen 20 und 35 Jahren.

»Ich bin für die Abschiebehäftlinge ein Seelsorger und zugleich der Vertreter der Nichtregierungsorganisation (NGO) Jesuiten-Flüchtlingsdienst, die sich für ihre Rechte einsetzt«, sagt Müller. »Es ist im Aufenthaltsgesetz geregelt, dass NGOs Zugang zu den Abschiebehäftlingen erhalten sollen. Seelsorgliche Fragen der von Abschiebung Bedrohten haben oft mit Rechtshilfe zu tun. Die stellen wir, falls möglich, bereit«, erzählt Dieter Müller.

1997 war er im Alter von 39 Jahren den Jesuiten beigetreten. Zuvor hatte er als Betriebswirt bei Daimler in Stuttgart gearbeitet. Später lernte er Krankenpfleger. »Theologische Fragen kommen ins Spiel«, sagt er, »wenn christliche oder auch muslimische Flüchtlinge die Frage aufwerfen: Weshalb stößt ausgerechnet mir so viel Unglück zu? Die Lebensgefahren der Flucht, die häufig schlechte Behandlung und nun die Abschiebung?«.

Insgesamt zieht der weltweit aktive Jesuiten-Flüchtlingsdienst eine positive Bilanz seiner Arbeit in Deutschland für das Jahr 2012. Mindestens 47 Abschiebungshäftlingen hat der JRS zu ihrem Recht verholfen. Insgesamt etwa achtzig Personen in Abschiebungshaft seien intensiv juristisch begleitet worden. Dies alles erfolgte mit erstaunlich wenig Geld, jedoch mit umso mehr Engagement der JRS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeit

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