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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2012
Wenn Gott nicht eingreift
Theologen suchen neue Antworten
Der Inhalt:

Der Pater und die Geldhändler

Der 49-jährige Jesuit und Hochschulpfarrer Jörg Alt hat die Idee der Finanztransaktionssteuer populär gemacht

»Manchmal mache ich Sachen nur aus dem Bauch heraus«, sagt Jörg Alt. Dieser Bauch scheint ihm ein guter Ratgeber zu sein, denn sein Kopf hätte anfangs wohl nur gesagt, dass es aussichtslos sei. Der 49-jährige Jesuit Jörg Alt, Hochschulpfarrer in Nürnberg, setzt sich seit 2009 für eine Finanztransaktionssteuer ein und hat dazu die Initiative »Steuer gegen Armut« gegründet. Anfangs, so berichtet der Pater, hätten die Befürworter dieser Steuer »nur müdes Lächeln« geerntet: »Zu sehr widersprach sie der Ideologie von der Grenzenlosigkeit des Kapitals in einer globalisierten Welt.« Doch aus der kleinen, müde belächelten Initiative ist inzwischen eine durchschlagende Idee geworden, die in ganz Deutschland und auf europäischer Ebene diskutiert wird. Das Ergebnis des deutsch-französischen Gipfels gibt dem Pater nun recht: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Nicolas Sarkozy haben für die Eurozone eine gemeinsame Finanztransaktionssteuer vorgeschlagen.

Er habe noch nie verstanden, sagt der schmale Priester, der fast immer Jeans und Hemd trägt, »warum auf jedes Gummibärchen und jede Windel Steuern zu zahlen sind, nicht aber bei Finanztransaktionen«. Von 2005 bis 2008 arbeitete er als Kaplan in Belize und bekam die Auswirkungen des deregulierten Finanzsystems hautnah zu spüren: In dem kleinen mittelamerikanischen Land gab es nichts mehr zu essen, weil die Preise für Lebensmittel durch Spekulationen so hoch getrieben wurden, dass die Menschen in Belize nichts mehr kaufen konnten.

Zurück in Deutschland, formulierte der Jesuit eine Petition an den Bundestag, gewann bald über sechzig Organisationen für seine Kampagne und sammelte in wenigen Wochen die erforderlichen 50 000 Unterschriften. Die Bürg