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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2021
Hinterm Horizont
Aussichten nach Corona
Der Inhalt:

Kolumne
Explosion in der Schlossallee

vom 19.01.2021
An Silvester haben wir in unser Familie schon immer Monopoly gespielt. Und diesmal haben wir gar nicht mehr damit aufgehört. Denn der Lockdown fühlt sich an wie Silvester in Endlosschleife.
Am Ende gibt’s immer eine Explosion: Monopoly am Silvesterabend (Foto: Wikipedia/Horst Frank)
Am Ende gibt’s immer eine Explosion: Monopoly am Silvesterabend (Foto: Wikipedia/Horst Frank)

Alles verboten in der Pandemie? Ach was. Erlaubt ist zum Beispiel Monopoly. An den langen Silvesterabenden haben wir in unserer Familie schon immer das Spielbrett aufgebaut und einander fröhlich Geld verteilt. Und diesmal haben wir gar nicht mehr damit aufgehört, sondern im neuen Jahr einfach weitergespielt – tagelang. Denn der Lockdown fühlt sich ein bisschen an wie Silvester in Endlosschleife. Alle daheim, Mistwetter, Brettspielzeit. Fehlt nur das Feuerwerk am Himmel. Das haben dafür die Kinder in ihren Zimmern gezündet. Die sehen jetzt so aus wie der Frankfurter Römerberg am Neujahrstag.

Wir fünf sind alle sehr unterschiedliche Menschen, und das merkt man nirgendwo besser als beim Monopoly. Meine Tochter will immer alle Bahnhöfe besitzen, sonst ist sie unglücklich. Ich selbst schiele von der ersten Würfelrunde an auf die Schlossallee, seit 32 Jahren mache ich das, schließlich gönne ich mir sonst kaum Luxus. Mein Mann ist im echten Leben ein sparsamer Mensch, überzeugter Mieter und immer gegen den Kauf eines Eigenheims gewesen. Beim Monopoly aber hält es ihn nicht auf seinem Stuhl. »Kauf ich!!!«, brüllt er, kaum dass seine Zinnfigur den bunten Farbstreifen einer Straße berührt, egal, welcher. »So, dann hätte ich jetzt gern noch ein Haus und für die Wiener Straße ein Hotel!« Er scheut nicht mal davor zurück, mit unserem Sechsjährigen, der das Spiel gerade erst lernt, unfaire Deals auszuhandeln: »Du willst doch so gerne das Elektrizitätswerk. Ich tausche es gegen zwei von den grünen Straßen ein.« Der Sohn kauft fast nichts, denn: »Ich möchte sparen. Wenn ich zu viel Geld ausgebe, habe ich ja keins mehr.« Ich bin stolz auf ihn. So wird er gut durchs Leben kommen. Aber nicht durch den Lockdown. Denn die Zweijährige verwa

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