Geheimnisvolle Riesen
Naturfilm: 700 Jahre gewachsen, tief in der Erde verwurzelt. Und dann an einem Nachmittag von der Motorsäge gefällt. Man möchte heulen wie Idefix, wenn in diesem Film eine Wüste gezeigt wird, in der nur noch Spuren im aufgewühlten Erdreich von einstigen Urwaldriesen zeugen. Doch mit faszinierenden Tricks bringt die Natur die Auferstehung des Paradieses in Gang. In seiner gewohnten Mischung aus magischen Bildern und erhabenem Gefühl beschäftigt sich Regisseur Luc Jacquet, der mit »Die Reise der Pinguine« einen Oscar einheimste, nun mit der Evolution eines Dschungels. Gedreht wurde in den Regenwäldern von Peru und Gabun; gelegentlich wuchern florale Animationsszenen über den Realfilm, um im Zeitraffer Wachstumsvorgänge zu veranschaulichen. Stiller Star des Films ist der Moabi-Baum, der 600 Jahre braucht, bis er ausgewachsen ist. Als Chronist seines Schicksals vom zaghaften Sprießen bis zum letzten Rascheln tritt der Biologe Francis Hallé auf, synchronisiert von Bruno Ganz. Von der Wurzel bis zum Wipfel ist ihm kein Baum-Untermieter fremd. Er schwärmt von den Düften, der »Sprache« der Bäume, und beklagt die verlorene Eintracht zwischen Mensch und Pflanze. Doch statt dieser Kommentare würde man lieber das Schweigen der Wälder hören. Das Wunder der Schöpfung wird in diesem poetischen Naturfilm auch ohne metaphorischen Überschwang erfahrbar.
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