ABC der Spiritualität
C wie Charismatische Bewegung
Die Charismatische Bewegung zeichnet sich durch eine besonders intensive Form christlicher Frömmigkeit und eine ekstatische Gebetspraxis aus. Sie stellt sogenannte »Charismen« (das griechische Wort charisma bedeutet Gabe oder Geschenk) ins Zentrum. Als Charismen gelten zum Beispiel das prophetische Reden oder die Heilung von Krankheiten mit Gebeten. »Die Kraft des Heiligen Geistes, die Jesus Christus von den Toten auferweckte, wird bis heute in den Nachfolgern Jesu wirksam«, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Pfingstlich-Charismatischer Missionen. Diese tiefe Verbundenheit mit dem Heiligen Geist soll sich auf alle Bereiche des Lebens auswirken. Die Charismatische Bewegung entstand in den 1960er-Jahren und ist nach Ansicht ihrer Anhänger die Antwort Gottes auf die besonderen Nöte dieser Zeit. Seriösen Schätzungen zufolge gibt es heute rund 600 Millionen Anhänger der pfingstkirchlichen und charismatischen Bewegungen, vor allem in den Ländern des Südens – das ist mehr als ein Viertel von rund 2,2 Milliarden Christen und der am schnellsten wachsende Zweig des Christentums. Auch in Deutschland gibt es neben und innerhalb der katholischen und evangelischen Kirche Zehntausende Menschen, die sich zu dieser hierarchisch nicht organisierten Erneuerungsbewegung bekennen. Die traditionellen Kirchen stehen der Bewegung skeptisch gegenüber. Theologen warnen vor religiösen Gruppen, die spektakuläre Wunderheilungen von Krebs oder psychischen Störungen anbieten. Auf der anderen Seite beneiden die historisch gewachsenen Kirchen die neuen christlichen Aufbrüche um ihre geist liche Lebendigkeit und Kraft. Spirituelle Erneuerung sei wesentlich, sonst erstarrten die Kirchen in ihrer Routine, erklärt der Weltkirchenrat. Das Interesse an neuen geistlichen Formen wird auch als Antwort auf eine zunehmende Entkirch lichung Mitteleuropas betrachtet.
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