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Und wir nennen das Grenzschutz

von Ulrike Schnellbach vom 26.01.2019
Sinkende Flüchtlingszahlen in Deutschland: Horst Seehofer verkaufte das in dieser Woche als Erfolg. Man kann auch ganz anders auf die Entwicklung schauen. Ein anderer Innenminister könnte vor die Öffentlichkeit treten – und die aktuellen Zahlen so kommentieren
»Und wir nennen das Grenzschutz«: Was wäre eigentlich, wenn sich Horst Seehofer für den Rückgang der Flüchtlingszahlen in Deutschland schämen würde? Journalistin Ulrike Schnellbach denkt sich eine neue Rede eines umdenkenden Innenministers aus. Und die hat es in sich... (Foto: pa/Stein)
»Und wir nennen das Grenzschutz«: Was wäre eigentlich, wenn sich Horst Seehofer für den Rückgang der Flüchtlingszahlen in Deutschland schämen würde? Journalistin Ulrike Schnellbach denkt sich eine neue Rede eines umdenkenden Innenministers aus. Und die hat es in sich... (Foto: pa/Stein)

»Liebe Landsleute,

ich habe heute keine guten Nachrichten: Im vergangenen Jahr haben wir leider nur 162.000 Menschen aufgenommen, die aus Krieg und Not in ihren Ländern fliehen mussten. Das sind noch weniger als 2017 und weit weniger als in den besten Jahren 2015 und 2016.

Sie erinnern sich: Bis 2015 hatten wir die Staaten an den europäischen Außengrenzen weitgehend im Stich gelassen mit der Aufgabe, die übers Mittelmeer Geflüchteten zu versorgen. Dann begannen wir endlich, unserer Verantwortung als eines der reichsten Länder der Welt gerecht zu werden, indem wir das Prinzip der Humanität über die formalen Kriterien der Zuständigkeit stellten. Viele von Ihnen haben die neue Willkommenskultur begrüßt und tragen bis heute dazu bei, dass uns die Integration der Neuankömmlinge weitgehend gelingt. Ich weiß, dass einige von Ihnen auch Vorbehalte und Sorgen haben. Und es stimmt ja: Eine relativ große Zahl an Menschen aufzunehmen und in die Gesellschaft einzugliedern ist kein Kinderspiel. Aber wer sollte das bewerkstelligen, wenn nicht wir? Wir haben die Mittel und wir brauchen Zuwanderer, denn unsere Wirtschaft floriert und unsere Gesellschaft altert. Vor allem aber gebietet es die Mitmenschlichkeit, dass wir Solidarität üben.

»Ich bin nicht erleichtert. Ich bin beschämt«

Lassen Sie mich also in aller Deutlichkeit sagen: Ich bin über den Rückgang der Zuwanderungszahlen alles andere als erleichtert! Vielmehr bin ich beschämt. Denn heute sind mehr Menschen auf der Flucht als jemals zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Damals mussten wir übrigens innerhalb kürzester Zeit zwölf Millionen Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten aufnehmen, in einem ze

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