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»Hoffentlich war es kein Flüchtling!«

von Ulrike Schnellbach vom 07.12.2016
Ein Mord geschieht. Der Tatverdächtige ist ein junger Flüchtling. Darf das in der Zeitung stehen? Die Journalistin Ulrike Schnellbach über den »Fall Freiburg«, ihre Zweifel und die Freiheit der Presse in Zeiten des Rechtspopulismus
Die Journalistin und Publik-Forum-Autorin Ulrike Schnellbach fragt sich: »Was heißt Pressefreiheit in Zeiten des Rechtspopulismus?« (Foto: Heyer)
Die Journalistin und Publik-Forum-Autorin Ulrike Schnellbach fragt sich: »Was heißt Pressefreiheit in Zeiten des Rechtspopulismus?« (Foto: Heyer)

Als in Freiburg Mitte Oktober die Studentin Maria L. vergewaltigt und ermordet wird, reagieren viele Menschen in doppelter Hinsicht besorgt. Ich auch. Zum einen sind wir entsetzt über die Tat; als Freiburger bangen wir um unsere Sicherheit und die unserer Töchter. Gleichzeitig haben wir die Befürchtung, dass der Täter ein Flüchtling sein könnte. Nicht weil wir Flüchtlinge für prädestiniert halten, zu vergewaltigen und zu morden. Sondern weil wir diejenigen fürchten, die genau das denken und daraus politisch Profit schlagen wollen.

Nun macht der Mord von Freiburg mit Beginn dieser Woche bundesweit Schlagzeilen. Denn die Polizei hat einen 17-Jährigen aus Afghanistan so gut wie überführt. Die Debatte über »kriminelle Flüchtlinge« ließ nicht lange auf sich warten. Über Menschen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel angeblich massenhaft nach Deutschland »eingeladen« habe und die nun hierzulande Frauen überfielen. Auf Facebook und in anderen sozialen Medien werden Blutrache und Lynchjustiz gefordert, bis hin zu »speziellen Duschen für solche Fälle«.

Prompt wittert auch die AfD Morgenluft. Sofort organisiert sie eine Demonstration am Freiburger Münster gegen Merkels Flüchtlingspolitik. Allerdings nehmen nur knapp zwanzig Menschen daran teil – während sich 300 andere der Kundgebung entgegenstellen. Das ist typisch Freiburg: 20.000 Menschen hatten hier im Januar 2015 gegen Pegida demonstriert – in einer Stadt, die bis heute keine einzige Pegida-Kundgebung gesehen hat.

Der Vorwurf, »Lügenpresse« zu sein, wirkt

Doch auch im linksliberalen Milieu ist die allgemeine Verunsicheru

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