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Helft Syrien!

von Markus Dobstadt 27.03.2018
Viele Menschen in Syrien müssen Schreckliches erdulden. Etliche Bewohner von Afrin, das von türkischen Truppen eingenommen worden ist, sind geflohen und campieren teilweise auf freiem Feld. Ost-Ghouta wurde wochenlang von syrischen und russischen Truppen bombardiert. Was kann man tun, um zu helfen?
Im syrischen Douma (nahe Damaskus) hilft das Rote Kreuz, Kinder aus der Rebellen-Region um Ost-Ghouta zu evakuieren. Die Region hat in den vergangenen drei Wochen die schwersten Angriffe syrischer Regierungstruppen seit Beginn des Bürgerkrieges vor rund sieben Jahren erlebt. Die Zukunft dieser Kinder ist ungewiss. Für sie interessieren sich die Weltmächte, die in und um Syrien kämpfen, nicht. (Foto: pa/dpa/Samer Bouidani)
Im syrischen Douma (nahe Damaskus) hilft das Rote Kreuz, Kinder aus der Rebellen-Region um Ost-Ghouta zu evakuieren. Die Region hat in den vergangenen drei Wochen die schwersten Angriffe syrischer Regierungstruppen seit Beginn des Bürgerkrieges vor rund sieben Jahren erlebt. Die Zukunft dieser Kinder ist ungewiss. Für sie interessieren sich die Weltmächte, die in und um Syrien kämpfen, nicht. (Foto: pa/dpa/Samer Bouidani)

Wieder einmal spitzt sich dieser Krieg, der seit 2011 tobt, in einzelnen Orten zu. War es Ende 2016 der grausame Kampf um Aleppo, der für weltweites Entsetzen sorgte, geht die syrische Armee jetzt nicht weniger brutal gegen die Region Ost-Ghouta unweit von Damaskus vor. Inzwischen deutet sich die Kapitulation der Verteidiger an. Berichten zufolge sind die ersten Rebellen in die Region Idlib gebracht worden, eine der letzten Hochburgen der Assad-Gegner in Syrien. Seit Mitte Februar, also allein in den vergangenen vier Wochen, sind mehr als 1000 Zivilisten gestorben. Zehntausende Menschen seien aus Ost-Ghouta geflohen. Die UNO schätzt die Zahl der Vertriebenen auf mehr als 50.000 Menschen. Doch wo sollen sie hin?

Schreckliche Szenen spielten sich in den vergangenen Wochen ab. Am 19. März wurde etwa bei einem Luftangriff eine unterirdische Schule getroffen. Eine bunkerbrechende Rakete habe drei Stockwerke durchschlagen, bevor sie im Keller explodierte, schreibt die Initiative Adopt a Revolution, die in Syrien Schulen und zivile Zentren unterstützt.

Bei dem Angriff wurden den Angaben zufolge 17 Kinder und sechs Frauen getötet, 50 weitere Personen seien verletzt worden. Die Organisation macht die russische Armee dafür verantwortlich, dafür spräche unter anderem der eingesetzte Waffentyp. Zum Zeitpunkt des Bombenangriffs hätten rund 400 Menschen in der Schule Schutz gesucht. Seit Ende Februar seien dreißig Schulen in der Region Ziel von Angriffen der russischen oder syrischen Streitkräften geworden, berichtet die Initiative.

Aber auch Regimegegner, Milizen in Ost-Ghouta, schießen mit Raketen auf Zivilisten. Sie haben offenbar einen Markt in Damaskus bombardiert. Bei dem Raketenangriff seien 35 Menschen getötet worden, 40 weitere wurden verletzt.

Es ist ein grausiger Machtkampf, der sich in Syrien abspielt, befördert von den Weltmächten, die den Krieg am Laufen halten. Das Schicksal der Zivilisten interessiert sie nicht im Geringsten. Das KinderhilfswerkUnicefschätzt, dass insgesamt 200.000 Menschen in und um Ost-Ghouta dringend auf Hilfe angewiesen sind. Wer soll ihnen helfen, wenn nicht wir, die in sicheren Ländern ohne Krieg und Verwüstung leben und zumindest Geld spenden können?

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Massenflucht aus Afrin

Ein zweiter Brennpunkt ist derzeit die Region um die nordsyrische Stadt Afrin, die am 18. März von türkischen Truppen eingenommen worden ist. Bis zu 200.000 kurdische Bewohner sollen geflüchtet sein. In zahlreichen Berichten ist von Plünderungen durch die türkischen und die mit ihnen verbündeten islamistischen Truppen die Rede. In der Stadt wächst die Angst vor einem Bevölkerungsaustausch, es gibt die Befürchtung, die Türkei könnte die Kurden vollständig aus Afrin verdrängen.

Der deutsche Arzt Michael Wilk schilderte am 20. März im Deutschlandfunk die Lage der nach Süden Richtung Aleppo Geflüchteten als katastrophal. Nach seinen Informationen könnten zwischen 100.000 und 200.000 Menschen, »auf freiem Feld campieren«. In dem Gebiet, wohin sich die Leute gerettet haben, seien »alle Häuser bis zu zehnfach belegt«. Die Menschen benötigten dringend Unterstützung, Zelte und Decken. »Es ist nachts durchaus empfindlich kühl und die Situation ist wirklich prekär. Frauen bringen ihre Kinder am Straßenrand zur Welt. Man kann sich die Szenen kaum vorstellen«, sagte der Arzt.

Syrische Soldaten, so schildert er es weiter, sollen von den Flüchtenden einen Betrag von 1200 bis 2000 Dollar pro Person kassieren, bevor sie sie durchlassen. Die Menschen »fühlten sich auf der einen Seite verfolgt, hinter ihnen die vorrückenden türkischen Truppen und islamistischen Kampfverbände, und auf der anderen Seite das Staatsgebiet des Assad-Regimes, vor dem auch viele geflohen waren.« Es ist ein Drama, das sich in Syrien abspielt. Und es ist noch kein Ende in Sicht. Im vergangenen Jahr sind laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (die ihren Sitz in London hat) in diesem Krieg 39.000 Menschen gestorben.

Seit Beginn des Syrien-Krieges hätten rund eine halbe Million Menschen ihr Leben verloren. 2017 wurden laut Unicef mehr als 900 Kinder getötet, der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge sollen bis zu 2100 Kinder getötet worden sein. Es sei das schlimmste Jahr für die Kinder in Syrien gewesen, sagt Unicef. Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland, meint, dass kein syrisches Kind den Folgen des Krieges entgehe. Wer überlebe, sei konfrontiert mit dem Tod von Angehörigen, Bombenhagel, Flucht oder Vertreibung – mit unabsehbaren psychischen Folgen. Schneider spricht von »einer ganzen Generation kriegsversehrter Kinder«. Er appelliert an alle Konfliktparteien: »Der Krieg gegen Kinder muss jetzt aufhören.« Es brauche eine sofortige Waffenruhe. Aber es ist klar, dass die Erwachsenen, die diesen Krieg betreiben, nicht gewillt sein werden, auf ihn zu hören.

Helfen Demonstrationen? Es müssten schon Millionen in der ganzen Welt auf die Straßen gehen, um dieses Grauen zu stoppen. Das ist nicht zu erwarten. So bleibt nur, Geld zu geben, um den Geschundenen wenigstens etwas zu helfen. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen, das Auskunft über die Arbeit und Seriosität von Spendenorganisationen gibt, hat eine Liste zusammengestellt mit einigen Hilfswerken, die zu Spenden für die Opfer in Syrien aufrufen und das DZI-Spenden-Siegel als Zeichen besonderer Förderungswürdigkeit tragen. In der »Aktion Deutschland hilft« haben sich darüber hinaus zahlreiche Hilfsorganisationen zusammengeschlossen, auch sie tragen das DZI-Spendensiegel. Sie helfen an zahlreichen Orten der Welt, auch den geschundenen Menschen in Syrien.

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