Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2022
Ein Land als Geisel
Wie die Ukraine im neuen Ost-West-Konflikt zerrieben wird
Der Inhalt:

Kino
Nordirische Nostalgie

von Birgit Roschy vom 25.02.2022
Regisseur Kenneth Branagh erinnert sich in nostalgischem Schwarz-Weiß an den Sommer 1969: Damals endete mit den »Troubles« in Nordirland seine Kindheit schlagartig.
Sie wollen nur spielen: Buddy und seine Freunde mit Holzschwertern (Foto: © 2021 Focus Features, LLC)
Sie wollen nur spielen: Buddy und seine Freunde mit Holzschwertern (Foto: © 2021 Focus Features, LLC)

Kino. »Sei brav. Und wenn du nicht brav sein kannst, sei vorsichtig«, lautet der Rat von Buddys Vater. Ganz am Ende des Films erkennt man die Melancholie hinter dieser schlitzohrigen Verhaltensregel. Regiestar Kenneth Branagh präsentiert mit diesem im Vergleich zu seinen anderen Filmen kleinen Drama sein persönlichstes Werk, eine Liebeserklärung an Belfast. Gedreht in nostalgischem Schwarzweiß, erinnert er sich darin an den Sommer im Jahr 1969, in dem mit den »Troubles«, dem Wiederaufflammen des Nordirlandkonflikts, seine Kindheit schlagartig endete. Doch von Politik hat Buddy, Branaghs neunjähriges Ich, keine Ahnung. Der Junge, der in einem warmherzigen Dreigenerationenhaus im Arbeitermilieu aufwächst, wähnt sich in der besten aller Welten. Als er auf der Straße mit seinen Freunden mit Holzschwertern Krieg spielt, bricht plötzlich reale Gewalt über sie herein: Ein protestantischer Mob greift die Häuser katholischer Familien an. Und plötzlich ist es von Bedeutung, dass seine Familie protestantisch ist. Die Milizen fordern Gefolgschaft und Tribut. Buddys Vater aber, der unter der Woche in England arbeitet, weigert sich, Partei zu ergreifen. Auf Augenhöhe des Kindes werden der politische Kontext und die Gräuel des Bürgerkriegs lediglich angedeutet. Doch Buddy interessiert sich nun mal vor allem für eine Mitschülerin, für Raquel Welch im Fellbikini und für seine Großeltern, die stets den passenden Spruch parat haben.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 04/2022 vom 25.02.2022, Seite 55
Ein Land als Geisel
Ein Land als Geisel
Wie die Ukraine im neuen Ost-West-Konflikt zerrieben wird

Obwohl der rote Faden der Geschichte immer bedrohlicher hervortritt – die Frage, ob die Familie bleiben oder flüchten soll –, ist die Stimmung dennoch oft beschwingt, geprägt von der Naivität, Neugier und Verführbarkeit eines Jungen, der im Kino eine zweite Heimat finden wird. Es verwundert nicht, dass diese rührende Beschwörung eines verlorenen Paradieses für ganze sechs Oscars in den Hauptkategorien nominiert wurde.

Kommentare und Leserbriefe
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.