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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2020
Machtlos mächtig
Von Gandhi bis Belarus: Wann ist gewaltfreier Widerstand erfolgreich?
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt
Morgens wenn der Müllmann kommt

vom 13.11.2020
Schlaftrunkene Gestalten in wehenden Bademänteln bieten unserem Autor immer wieder ein herrliches Schauspiel. Leider gehört er auch selbst dazu
Welche Tonne muss wann an die Straße? Eine Wissenschaft, die nur wenige verstehen (Illustration: istockphoto/Talaj)
Welche Tonne muss wann an die Straße? Eine Wissenschaft, die nur wenige verstehen (Illustration: istockphoto/Talaj)

In unserer kleinen Vorortstraße gibt es ein wundervolles Ritual: Immer, wenn im Morgengrauen zwischen sechs und sieben Uhr die Müllabfuhr um die Ecke biegt, stürzen drei bis fünf schlaftrunkene Gestalten in Bademänteln oder wehenden Nachthemden aus den Häusern, um im letzten Moment noch die richtige Mülltonne an die Bürgersteigkante zu rollen. Ein Anblick für die Götter! Auch für Menschen ist es amüsant zu sehen, wie wir Pantoffelhelden jede Woche verzweifelt versuchen, unser vorabendliches Versäumnis wiedergutzumachen.

Dabei ist es nicht so, dass es in unserer Kommune keinen Abfallkalender gäbe. Natürlich haben wir alle einen. Aber um das Ding zu verstehen, brauchen Sie einen Master in Kryptologie. Die Angaben klingen nämlich ungefähr so: »Wenn Sie in Bezirk C2 wohnen, eine gerade Hausnummer haben und im Aszendenten Steinbock geboren sind, dann gilt für sie Mo4.« Auf der Rückseite des Planes finden Sie dann einen winzigen Hinweis, damit sei gemeint, dass am vierten Montag im Monat (Mo4) eventuell der Papiermüll abgeholt wird. Vielleicht aber auch nicht. Ein Feiertag, ein kleiner Streik oder ein zarter Schneesturm bringt das Ganze ohnehin aus dem Rhythmus. Wie dem auch sei, ich glaube: Auf diesen Plan schaut schon lange keiner mehr.

Wobei … das stimmt nicht ganz: Es gibt in unserer Straße offensichtlich einige pensionierte Geheimdienstmitarbeiter, die den subtilen Code des Abfallkalenders mithilfe einer Dekodiermaschine geknackt haben oder gar über subversive Drähte zum Amt für Abfallentsorgung verfügen. Die nämlich stellen ihre Tonnen immer genau dann, wenn ich damit überhaupt nicht rechne, demonstrativ auf die Straße. Mit so einem leicht überheblichen Gesichtsausdruck: »Seht ihr! Morgen ist d

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