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Lasst uns feiern

Wer feiert, steckt mit Leib und Seele mitten im Leben und fällt – für ein paar Stunden Ewigkeit – trotzdem aus der Zeit. Mögen wir auch immer individueller unser Leben gestalten, die großen Einschnitte feiern wir zum Glück dennoch gemeinsam, mit Freunden und Familie. Die Autorinnen und Autoren des neuen Publik-Forum EXTRA erzählen über Paradiese – und Pulverfässer – des Miteinanders
von Matthias Morgenroth vom 12.03.2013
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Überschäumende Lebensfreude: Feste erleichtern die Übergänge des Lebens. Jedenfalls meistens. (Foto: photocase/Elektro)
Überschäumende Lebensfreude: Feste erleichtern die Übergänge des Lebens. Jedenfalls meistens. (Foto: photocase/Elektro)

Gibt es ein Rezept? Natürlich. Damit ein Fest ein Fest wird, braucht es verschiedene Zutaten. Als Erstes einen Anlass. Dann natürlich einen Raum zum Feiern, geschmückt, nicht alltäglich, sondern festlich. Wie die Gäste, die sich herausputzen oder sogar verkleiden. Und – natürlich! Essen muss da sein, in paradiesischer Überfülle. Die Tische müssen sich biegen.

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Zum Menschsein gehört das Feiern dazu. Es ist kein Zufall, dass sich die Feste in allen Religionen der Welt sehr ähneln, denn durch sie gelingt es den Menschen, ihr eigenes, kleines Leben in den großen Zusammenhang des Weltganzen einzuschreiben. Feste verbinden Vergangenheit und Gegenwart – sie sind voller Erinnerungen und unsichtbarer Gäste von einst. »Unser Leben sei ein Fest« – so heißt es in einem bekannten Kirchenlied, und wie es gelingen kann, das Leben zu feiern, mit Taufen, Geburtstagen, Hochzeiten, Scheidungen, Erntedank, Weihnachten und sogar Leichenschmaus, davon erzählen unsere Autorinnen und Autoren in diesem EXTRA. Sie werfen darüber hinaus einen Blick in die Kulturgeschichte der Feste, berichten von keltischen Kultbädern, Halloween und Perchtenzauber. Und wer wusste schließlich, dass das Oktoberfest die Urmutter der heutigen Olympischen Spiele ist? Darum ist es alles andere als klug, über dieses rauschende und berauschende Fest die aufgeklärte Nase zu rümpfen.

Feste erleichtern die Übergänge des Lebens, und sie erschweren sie zugleich. Familienfeste können zum Pulverfass werden, wenn die Beteiligten die oft jahrelang schwelenden Konflikte verkleistern und mit einem Zuckerguss überziehen. Feste sind nicht nur für den glücklichen Moment gemacht, sie sind wichtig für die Erzählung des eigenen Lebens. Für die schönen und die traurigen Geschichten. Darum sollte auch unser Sterben mit einem Fest bedacht sein – der Leichenschmaus ist keinesfalls eine geschmacklose Einrichtung. Die Tischgemeinschaft hilft, den Abschied zu gestalten, und zeigt uns, dass das Leben weitergeht.

Und schließlich Weihnachten. Das Fest aller Feste. Wir schmücken und basteln und backen und vergolden – auf dass die Welt wieder den Zauber bekomme, den sie uns in den Kindertagen schenkte. Wir singen und lesen und versuchen innezuhalten – auf dass die wenigen Wochen am Jahresende so etwas werden wie ein großer Jahressonntag, eine andere, heiligere Zeit. Nicht mehr der Glaube an ein Jenseits, die Angst vor dem Jüngsten Gericht, die Frage nach der Rechtfertigung stehen jetzt im Mittelpunkt unseres Nachdenkens über Gott und unser Leben. Vielmehr ist es den Christen zunehmend wichtig, dass Gott »zur Welt« kommt. Dass es ein Leben vor dem Tod gibt. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.

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