Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2020
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 
Der Inhalt:
Artikel vorlesen lassen

Freier Sex plus Depressionen

von Eva-Maria Lerch, Viola Rüdele vom 06.08.2020
Die Antibabypille wird sechzig Jahre alt. Sie hat die Frauen befreit, Katholiken gegen die Kirche aufgebracht, den Geburtenboom beendet – und wird heute wegen ihrer Gefahren für Körper und Umwelt kritisiert. Ist die Pille Fluch oder Segen?
Trügerische Tablette: Die Anti-Baby-Pille wird manchmal wie ein Lifestyleprodukt für schönere Haut und Haare vermarktet, hat aber gefährliche Nebenwirkungen (Foto: PA/Shotshop)
Trügerische Tablette: Die Anti-Baby-Pille wird manchmal wie ein Lifestyleprodukt für schönere Haut und Haare vermarktet, hat aber gefährliche Nebenwirkungen (Foto: PA/Shotshop)

Sie heißt Aida, Leona, Yasmin oder Maxim und feiert am 18. August 2020 ihren 60. Geburtstag: die Antibabypille. Die kleinen Tabletten, die bei täglicher Einnahme eine Schwangerschaft verhüten, sind nach holprigen Anfängen inzwischen auf der ganzen Welt verbreitet – über 200 Millionen Frauen nehmen heute die Pille. Eine große Erfolgsgeschichte – könnte man sagen. Für Frauen wie Isabel Morelli aber ist das Jubiläum der hormonellen Verhütung kein Grund zum Feiern. Die Pille hat sie krank gemacht.

Morelli war gerade einmal 13 Jahre alt, als sie die Pille zum ersten Mal genommen hat. Ihr Arzt sagte damals: »Suchen Sie sich eine Sorte aus. Die eine macht schönere Brüste, die andere schönere Haut.« Kein Wort über Risiken und Nebenwirkungen. Dabei brauchte das junge Mädchen nicht einmal ein Verhütungsmittel, sondern nur etwas gegen ihre Menstruationsbeschwerden. »Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, zumal auch alle meine Mitschülerinnen die Pille genommen haben«, erzählt Morelli. »Viele hatten damals auch das Gefühl: Wenn man die Pille nimmt, ist man eine Frau, dann ist man erwachsen.« Trotz Nebenwirkungen wie Verdauungsbeschwerden, Gewichtszunahme, schlechter Laune nahm das Mädchen Isabel die Pille bis zum 21. Lebensjahr. »Danach hatte ich lange keine Periode, und ich wurde immer infektanfälliger«, erzählt sie heute. Die Mediziner stellten fest, dass ihre Hormonwerte nicht stimmten. »Mein Körper war nicht mehr in der Lage, Hormone in der Menge zu produzieren, wie er sollte,« erklärt Morelli, die inzwischen mehrere Bücher über diese Erfahrungen geschrieben hat. »Ich habe die Pille so früh genommen, dass mein Körper nie gelernt hat, wie ein Zyklus funktioniert.«

Die Millionen der Sufragette

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.