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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
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Die Boten des verlorenen Himmels

von Eva-Maria Lerch vom 20.12.2018
Im selben Maß, wie der Glaube an Gott schwindet, wächst auf dem religiösen Markt die Nachfrage nach Engeln. Theologen sprechen bereits von einer »neuen Engelreligion«. Woher kommt der Boom der himmlischen Wesen?
Engel im Licht: Die christliche Religion mit Dogmen, Priestern und Regeln ist vielen zu schwierig und unpersönlich, Engel, so kitschig sie manchmal daherkommen, sind dagegen immer offen für Bitten um Hilfe (Foto: shutterstock)
Engel im Licht: Die christliche Religion mit Dogmen, Priestern und Regeln ist vielen zu schwierig und unpersönlich, Engel, so kitschig sie manchmal daherkommen, sind dagegen immer offen für Bitten um Hilfe (Foto: shutterstock)

Das Heer der Engel steht heute in der Buchhandlung. Da besetzen die kleinen Himmelsboten oft eine eigene Nische, sie blasen auf der Flöte, zupfen die Harfe, halten Kerzen und überdimensionale Herzen. Es gibt Engel aus Ton und Papier, aus Bronze, Holz, Glas, Wachs und Seife. Man kann sie als Deko ins Fenster stellen, als Plakette ins Auto kleben und als Talisman um den Hals hängen. Und hinter der Engelschar wartet das Regal mit der passenden Literatur: Der Bestseller »50 Engel für das Jahr« des Benediktiners Anselm Grün, der »Schutzengelkalender für jeden Tag« oder der esoterische Ratgeber »Die Weisheit der Engel für schwierige Zeiten« von Lorna Byrne. Auch draußen auf dem Weihnachtsmarkt beflügeln die Engel zahllose Stände. Und wer »Engel« im Internet googelt, kriegt gleich 2,4 Millionen Links angeboten.

»Der Engel ist heute so aktuell, wie ich das in meiner Studienzeit nie für möglich gehalten hätte«, sagt die Psychoanalytikerin und Theologin Ingrid Riedel. »Früher hat man das eher als Kinderglauben abgetan.« Riedel zitiert einschlägige Studien, wonach fünfzig Prozent der Deutschen heute wieder an Schutzengel glauben. Und rund zehn Prozent gäben an, selbst eine Erfahrung mit Engeln gemacht zu haben. »Das finde ich spannend!«, sagt die Autorin zahlreicher tiefenpsychologischer Bücher. Der Boom an putzigen Engelfiguren mache sie zwar schon auch ärgerlich, gesteht Riedel, »weil eine mächtige archetypische Gestalt so verniedlicht und vermarktet wird.«

Kompensation für den verloren gegangenen Glauben?

Doch auf den zweiten Blick erkennt sie darin »ein wichtiges Zeitphänomen«. Wenn bestimmte Gestalten und Symbole mit solcher Wucht auf den Plan treten, macht das aus ihrer Sic

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