Sexualisierte Gewalt
Evangelische Kirche versäumt Aufarbeitung

Der evangelische Pfarrer und Sexualberater Hans Georg Wiedemann hat laut einer neuen Studie jahrelang Männer sexuell und spirituell missbraucht. Fünf Männer berichten in der Studie von sexualisierter Gewalt durch Wiedemann, der 2015 starb. Er war von 1973 bis 2001 Pfarrer in der Düsseldorfer Markusgemeinde. Die Taten reichten von »Küssen bis hin zu dem Versuch, Geschlechtsverkehr herbeizuführen und zu Masturbation in Anwesenheit der Betroffenen«.
Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, Wiedemann habe seine Autorität missbraucht, »um mithilfe seiner ideologischen Vorstellungen einer ›befreiten Sexualität‹ sexualisierte Grenzüberschreitungen und Gewalt zu normalisieren«. Wiedemann stand dem 2008 gestorbenen Reformpädagogen Helmut Kentler nahe, der pädosexuelle Positionen vertrat, und war selbst als Fürsprecher homosexueller Menschen in der Kirche bekannt.
Die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Antje Menn, räumte ein »schwerwiegendes institutionelles Versagen« ein und rief weitere Betroffene auf, sich zu melden. Laut der Studie habe es gegenüber der Kirche erste Vorwürfe im Jahr 2011 gegeben. Aufgrund der zur Verfügung gestellten Akten ließe sich aber nicht sagen, ob das gegen Wiedemann eingeleitete Disziplinarverfahren abgeschlossen wurde und, falls ja, mit welchem Ausgang.




