Personen und Konflikte
Isabel Thielmann, Psychologin und Leiterin der Forschungsgruppe zu Kriminalität, Sicherheit und Recht am Max-Planck-Institut in Freiburg, sieht in einem idealisierten moralischen Selbstbild ein wesentliches Hindernis für Veränderungsbereitschaft. Eine »rosarote Brille« im Blick auf das eigene moralische Verhalten erschwere realistische Selbsteinsicht sowie das Verständnis der individuellen Eigenschaften und Neigungen. Thielmann sprach auf den »Salzburger Hochschulwochen« über Identität, Verdrängung und das Gefühl, im Vergleich zu anderen ein »besserer Mensch« zu sein. Zwar wollten viele Menschen beispielsweise weniger ängstlich und kontaktfreudiger werden. Moralische Eigenschaften wollten sie jedoch seltener verändern, weil sie dort kaum Schwächen sähen. Das sei fatal, da Fairness, Kooperation und Ehrlichkeit die Grundpfeiler funktionierender Gesellschaften seien. Thielmann ist der Ansicht, dass moralisches Verhalten nicht durch ein simples System von Belohnung und Bestrafung erreicht werden kann. Dies wirke, wenn überhaupt, nur kurzfristig und kontextspezifisch.
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