Leserbrief
Zukunft der Rente
Das Interview über die Rentenpolitik wird explizit mit dem Ex-Caritas-Präsidenten Georg Cremer geführt. Trotz dieser Titulatur lässt er nicht erkennen, dass er aus den Positionen katholischer Verbände oder gar Einsichten der christlichen Ethik argumentiert. So haben die katholischen Verbände ein überzeugendes Konzept entwickelt und gezeigt, wie das umlagefinanzierte, solidarische und leistungsbezogene System der gesetzlichen Rentenversicherung gestärkt werden kann. Der Interviewfrage, was denn passiere, wenn die Börse crasht, weicht er aus. Dabei ist das die Achillesferse des Kapitalmarktes! Der Kapitalmarkt ist krisenhaft, und zwar systemisch. Die Umlagefinanzierung der Rente ist eine Einsicht aus dem Scheitern der kapitalgedeckten Rente nach dem Zweiten Weltkrieg. Franz Segbers, Konstanz
Schon die Aussage »Die Alterung lässt sich nicht wegreformieren« lässt den Geist von Georg Cremer erahnen. Die »Babyboomer« von der jetzt »wirtschaftlich aktiven Generation« finanziert zu bekommen, verkennt vollständig die Realität. Die Babyboomer haben unter zahlreichen Entbehrungen die Generation der jetzt »wirtschaftlich aktiven Generation« erst ermöglicht. Ohne diese Eltern gäbe es sie gar nicht. Eltern sein bedeutet, in die soziale Zukunft des Landes zu investieren und dafür keinerlei Vorteile zu erhalten.
Steffi Billert, Wuppertal
Durch eine Reform der Erbschaftsteuer, die Besteuerung von Veräußerung bei Immobilien und eine Vermögensteuer kommt man auf etwa 30 Milliarden Euro pro Jahr. Nach Volkswirt Georg Cremer betrage dies zwei Prozent des Sozialbudgets. Cremer möchte damit glauben machen, dass dieser Betrag vernachlässigbar sei. Doch dieses Argument überzeugt nicht. Kann damit doch jeder Steuerzahler behaupten, dass sein Beitrag weniger als ein Promille des Sozialbudgets betrage, weshalb man also gar keine Steuern zahlen müsste. 30 Milliarden Euro sind eine Menge Geld. Damit lassen sich einige Schulen bauen. Klemens Hofmann, Marbach

