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Krötenwanderung

Ethische Geldinstitute freuen sich über eine wachsende Anzahl von Kunden. Doch für eine Wende im Bankensektor sind es längst nicht genug
von Teresa Schneider vom 06.09.2011 Vorgelesen von einer künstlichen Stimme.
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Die Macht des Geldes: Mit der Kampagne »Krötenwanderung jetzt!« ruft attac derzeit zum Bankenwechsel auf. (Foto: attac)
Die Macht des Geldes: Mit der Kampagne »Krötenwanderung jetzt!« ruft attac derzeit zum Bankenwechsel auf. (Foto: attac)

Macht Geld glücklich? Nein, betont die Bestsellerautorin Charlotte Roche kürzlich in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Kurier. »Ich finde, es macht nur noch mehr Probleme, weil man dann überlegen muss, was man mit dem ganzen Geld macht.« Dann outet sich die 33-jährige Millionärin und frühere Viva-Moderatorin als begeisterte Kundin der Ethik-Bank: »Die investiert in politisch korrekte Projekte. Keine Pharmaindustrie, keine Atomkraft, keine Ausbeutung in Afrika. Nur Bio und Öko, damit man ein besserer Mensch ist.«

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Geld und gutes Gewissen? Diese Frage treibt spätestens seit der Finanzkrise 2008 immer mehr Menschen um. Im Rahmen der Kampagne »Krötenwanderung jetzt!« ruft das globalisierungskritische Netzwerk attac derzeit zum Bankenwechsel auf – rund 500 Personen sind dem Vorschlag bereits gefolgt. Auch die Deutsche Umweltstiftung und die Nichtregierungsorganisation urgewald appellieren an atomkraftkritische Verbraucher, ihr Vermögen in die Hände ethischer Geldinstitute zu geben.

Keine Geschäfte mit Hunger und Krieg

Gründe für den Wechsel von einer Großbank zu einer alternativen Bank, die sich an sozialen und ökologischen Maßstäben orientiert, gibt es laut attac viele: Sie reichen vom Engagement vieler Geldinstitute in den Schattenfinanzplätzen der Welt über ihren starken Einfluss auf die Politik bis hin zu unethischem Investment in Rüstungsindustrie, Kinderarbeit, Nahrungsmittelspekulationen und Landgrabbing. »Die Kampagne soll den Unmut der Bevölkerung gegenüber dem Finanzsystem aufgreifen und in eine bewusste Konsumentenentscheidung verwandeln«, sagt Kay Schulze, Mitarbeiter im Bundesbüro von attac.

Da es letztlich darum gehe, eine breite politische Debatte zu entfachen, sei es wichtig, mit der Kampagne außer Einzelpersonen auch Kirchengemeinden, Kindergärten und Schulen zu erreichen. In einer Broschüre hat attac Informationen zu deutschen Banken, einen Fragenkatalog sowie eine detaillierte Anleitung zum Bankenwechsel zusammengestellt. Einige der darin erwähnten Banken haben mit öffentlichen Stellungnahmen reagiert. Die Deutsche Bank wollte sich bislang nicht zu den Vorwürfen äußern. Gegenüber Publik Forum ließ sie verlautbaren: »Wir kommentieren Aktionen von attac grundsätzlich nicht.«

Nachhaltige Banken als Krisengewinner

Doch während große Privatbanken aufgrund von Millionengehältern, Lobbyismus und fragwürdigen Investitionen immer wieder in die Kritik geraten, freuen sich die vier etablierten Nachhaltigkeitsbanken in Deutschland GLS-Bank, Ethikbank, Triodos Bank und Umweltbank über wachsenden Zulauf. Eine Studie der Bankberatungsgesellschaft zeb aus Münster zeigt: Von 2007 bis 2010 sind die vier Ethikinstitute jährlich im Schnitt mehr als 32 Prozent gewachsen. »Im Vergleich zum Vorjahr sind unsere Neukundenzahlen noch gestiegen«, bestätigt Eva Schneeweiss, Pressereferentin der GLS-Bank, den Wachstumstrend. »Immer mehr Menschen wollen ihr Geld sinnvoll anlegen.«

Mit über 100 000 Kunden ist die GLS-Bank die größte und gleichzeitig älteste sozial-ökologische Bank in Deutschland. Das 1974 gegründete Geldinstitut wurde in diesem Jahr in der Online-Umfrage von Börse online und dem Nachrichtensender n-tv zum zweiten Mal infolge zur»Besten Bank des Jahres« gewählt. Ausschlaggebend dafür war auch das Thema Transparenz: So veröffentlicht die GLS-Bank regelmäßig eine Liste aller vergebenen Kredite, einschließlich des Namens des Kreditnehmers, der Höhe und des Verwendungszwecks.

Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Auch die Ethik-Bank, eine Zweigniederlassung der thüringischen Volksbank Eisenberg, profitiert von dem Bewusstseinswandel: »Im Juni und Juli hat sich die Nachfrage in etwa verdoppelt«, sagt Sylke Schröder, Pressesprecherin der Ethik-Bank. »Von einem Sommerloch ist bei uns nichts zu spüren.« Dennoch sei der Gedanke, dass ein sozial-ökologischer Lebensstil auch etwas mit der Entscheidung für eine Bank zu tun habe, längst noch nicht ausreichend präsent. Dies zeigten auch die Ergebnisse einer Studie des Sustainable Business Institute (SBI) vom Januar 2010: Nur 15 Prozent der dafür Befragten assoziierten das Thema Klimaschutz in irgendeiner Weise mit Banken.

Obgleich sich Umfragen zufolge rund die Hälfte aller Bundesbürger wünscht, ihr Geld nachhaltig anzulegen, wechselt kaum einer dafür seine Bank. Der Marktanteil der sozialen Banken ist daher noch sehr gering: »Insgesamt kommen die sozial-ökologischen Banken in Deutschland auf gut 200 000 Kunden«, sagt Sylke Schröder. Zum Vergleich: Allein die Deutsche Bank hat derzeit gut 28 Millionen Kunden.

Ursachen, weshalb sich viele Sparer mit einem Bankenwechsel schwer tun, sieht Kay Schulze, vor allem in Gewohnheiten, Konditionen und Service. »Bei der Wahl einer Bank zählt für viele immer noch in erster Linie die Dichte des Filialnetzes und die Anzahl der Geldautomaten in einer Stadt«, sagt der Attac-Mitarbeiter. Auch Sylke Schröder kennt diese Hürden: »Viele wünschen sich persönliche Beratung direkt vor Ort. Das kann die Ethikbank als Direktbank aber nicht leisten.«

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Schlagwort: Kirchenvolksbegehren
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