Margot Käßmann
Margot Käßmann, evangelische Theologin und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, sieht keine Verbesserung der Lage in Afghanistan nach dem westlichen Militäreinsatz und dessen abrupten Ende vor fünf Jahren. »2021 war der traurige und für viele tödliche Endpunkt einer militärischen Aktion, die all die Menschen vor Ort doch gar nicht im Blick hatte. Besser geworden ist in Afghanistan jedenfalls nichts. Und die Menschen dort, vor allem die Frauen tun mir unendlich Leid«, sagte Käßmann dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Käßmann war 2010 für eine Predigt scharf kritisiert worden, in der sie gesagt hatte: »Nichts ist gut in Afghanistan«. Jetzt sagte sie, sie würde sie genauso wieder halten. Der Westen habe die Menschen in Afghanistan während des Engagements über 20 Jahre nicht ausreichend in den Blick genommen. Mit der Bevölkerung sei kein konstruktiver Friedensprozess gestaltet worden. Für die Theologin liegt die wichtigste Lehre des Einsatzes darin, Menschen vor Ort stärker einzubeziehen. »Kommt nicht mit Soldaten, Gewehren und Panzern von außen und erklärt Menschen, was gut für sie ist.«
Flankiert wird die Aussage Käßmanns von einem Appell der Hilfsorganisation Amnesty International. Angesichts der verheerenden Menschenrechtslage in Afghanistan müsse Deutschland unverzüglich all seinen Aufnahmeversprechen nachkommen und Abschiebungen nach Afghanistan ausnahmslos beenden, heißt es. »Jede Person, die nach Afghanistan zurückkehren muss – ob durch Abschiebung aus Deutschland oder durch Rücknahme der Aufnahmezusage – kann davon betroffen sein. Afghanistan als sicheren Ort zu bezeichnen, ist zynisch«, sagte Theresa Bergmann, Fachreferentin für Asien bei Amnesty International in Deutschland.

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