Jörg F. Maas
Das historische schlechte Abschneiden deutscher Schüler in der aktuellen Pisa-Studie kommt nach Einschätzung des Vorsitzenden der Stiftung Lesen nicht überraschend. Wer allein die Corona-Pandemie oder Smartphones für die schlechten Ergebnisse verantwortlich mache, greife zu kurz, sagte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung, Jörg F. Maas. »Der Abwärtstrend hat lange vor der Pandemie begonnen«, betonte Maas. Auch in anderen Ländern sei die Nutzung sozialer Medien hoch. Die Pisa-Ergebnisse zeigten jedoch deutlich, dass in Deutschland der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildung so stark sei wie nie zuvor. Unterschiede im Wortschatz ließen sich bereits ab dem zweiten Lebensjahr feststellen.
In den drei untersuchten Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erzielte Deutschland laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die niedrigsten Werte, die jemals im Rahmen der Pisa-Studie gemessen wurden. »Deutschland hat bei der Bildung kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem«, sagte Maas. Es sei längst bekannt, welche Maßnahmen wirkten. Nun brauche es eine verbindliche Förderkette, die in der Familie beginne und über Kita, Grundschule und weiterführende Schule hinweg fortgeführt werde. Besonders wichtig sei eine frühe Ansprache der Eltern. Diese müssten niedrigschwellig erreicht werden, etwa durch mehrsprachige Informationen, Buchgeschenke und die Botschaft, dass zehn Minuten tägliches Vorlesen genauso selbstverständlich zum Familienalltag gehören sollten wie das Zähneputzen.

Personen und Konflikte