Denken in Gegensätzen
Schwarz - Weiß
Es ist, als hätte unsere Gegenwart die Geduld verloren. Immer häufiger wird Politik, wie in den USA, als »Kulturkampf« inszeniert: »wir« gegen »die«, Patriotismus gegen »Volksfeinde«, Rettung gegen Untergang. Donald Trump steht wie kaum ein anderer für diese Logik der Lagerbildung und eine Rhetorik, die Konflikte nicht lösen, sondern zuspitzen will. Auch in Deutschland gewinnt das Entweder-oder-Denken an Raum: Rechtspopulistische Gruppen arbeiten mit Feindbildern, sie professionalisieren sich und schüren Stimmung auch in sozialen Medien, in denen vor allem Jugendliche unterwegs sind. Schwarz-Weiß-Denken ist eine Art, die Welt zu sortieren, um sich sicher zu fühlen: richtig - falsch, gut - böse, Freund - Feind. Komplexe Themen werden in Schlagworte, einfache Antworten und Feindbilder gepresst. Digitale Medien verstärken diese Tendenz: Algorithmen belohnen Zuspitzung und Empörung, was die Polarisierung verstärkt. Das Undifferenzierte, Einfache, Lautstarke ist so präsent und salonfähig wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Oft tritt es offen und verletzend auf, wie bei Donald Trump oder Vertretern der AfD; manchmal aber auch subtil, getarnt als Frömmigkeit, Gemeinsinn oder Stolz auf eine vermeintlich überlegene »weiße« Kultur.
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