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Ein Buch fürs Leben …
Eine Eselsbrücke bauen

Was bedeuten unsere Redewendungen?
von Norbert Copray vom 23.07.2026
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Alte Redewendungen, die in unserer Sprache gebräuchlich sind, finde ich faszinierend. Sie transportieren geronnene Erfahrung und reichhaltige Bilder. Viele Redewendungen stammen aus dem Mittelalter, weshalb ich das Buch »Das geht auf keine Kuhhaut« von Gerhard Wagner immer wieder gern zur Hand nehme, um eine Redewendung nachzuschlagen. Sein Buch, ursprünglich bei Theiss erschienen, heute im Antiquariat auf booklooker.de, finde ich sehr schön gestaltet. Zu nahezu jeder der 300 Redewendungen – auch über gutes Stichwortregister zu finden – findet sich auf einer halben Seite einer Erläuterung über Herkunft und Bedeutung sowie meist eine Vignette, die anschaulich macht, um was es geht. Natürlich kann man die Redewendungen auch im Internet nachschlagen, doch Vorsicht: »Die Herkunft vieler mittelalterlich klingender Redensarten erweist sich bei näherem Hinsehen nämlich als nicht wirklich historisch«. Wagner trennt die »Spreu vom Weizen«. »Vor allem im Internet schießt die Fantasie bisweilen ins Kraut. Da reimen sich auf einschlägigen Seiten ›Nutzer‹ oft Bedeutungen zusammen, die manchmal mehr oder weniger aus der Luft gegriffen sind«, wobei man auch bei Handbüchern davor nicht gefeit ist. Im Mittelalter verstand man unter einer Eselsbrücke »eine Schwierigkeit, die nur für Dumme gilt, keine echte, sondern eine vermeintliche Gefahr«. Heute ist es umgekehrt, »dass nämlich für den Esel, dem angeblichen Dummen, eine Hilfskonstruktion errichtet wird, die ihm hilft, eine Schwierigkeit zu überwinden«. Verblüffende Bedeutungsumkehr, finde ich. Auch »Lügen wie gedruckt« im Sinne von »unverschämt die Unwahrheit sagen« resultiert daraus, dass es viele anonyme Druckwerke ohne Verfasserangabe gab, mit denen schlecht überprüfbare Behauptungen in die Welt gesetzt wurden, was mir heute durch das Internet vermehrt der Fall zu sein scheint. Vielleicht sollte ich heute sagen: Lügen wie gepostet. Von Wagner gibt es auch das Buch »Von Pontius zu Pilatus« über »Redewendungen aus der Bibel« in ähnlicher Aufmachung. Viele, die solche Redewendungen nutzen, wissen kaum noch was über ihren biblischen Ursprung. Vor allen Dingen durch Martin Luthers Übertragung der nur bis dahin in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache vorliegenden Bibel ins »Deutsch« wurde ein überregionaler Standard deutscher Sprache gesetzt, der viele Metaphern und Redewendungen ins Land transportierte. Jeder und jede kennt vermutlich die Redewendung »von Pontius zu Pilatus« geschickt werden, eine Wendung, die mir oft unterkommt. Gemeint ist, dass Pilatus Jesus zu Herodes schickte, damit er die Anklage überprüfe. Dieser schickte ihn wieder zurück, weil er nichts fand, was zu einer Verurteilung reichte. Der Volksmund machte daraus die Redewendung über das Hin und Her zwischen Instanzen, um eine belastbare Auskunft oder einen Entscheid zu bekommen. Mich erinnert das an die teils verzweifelten Versuche von Migranten, einen Aufenthaltstitel, eine Wohnung und Unterstützung zu bekommen.

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Schlagwort: Mittelalter
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