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Editorial
Schreiben ist gesund

vom 22.04.2026
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Neulich sah ich bei meinem Sohn, der fast ausschließlich digital kommuniziert, an der Pinnwand den handgeschriebenen Brief einer Freundin. Er hütet diesen Brief wie einen Schatz, denn das Handgeschriebene drückt für ihn eine besondere Wertschätzung aus. Heute tippen wir Texte in den Computer oder diktieren ins Handy; zu Stift und Papier greifen wir meistens nur noch für den Einkaufszettel. Ist das Schreiben mit der Hand ein aussterbendes Handwerk? Nein. Keineswegs. In diesem EXTRA stellen wir Menschen vor, die eine Leidenschaft für das Schreiben haben. Den Kalligrafie-Lehrer, der das Schönschreiben lehrt. In seinen Kursen bewegen sich die Teilnehmer auf der Grenze von Handwerk und Kunst. Auf andere Weise geschieht das beim Tagebuchschreiben. Wenn sich im Lauf der Zeit im Regal Heft an Heft reiht, lässt sich immer neu in Erinnerung rufen, wie einmalig und aufregend ein Leben ist. Für den Thorascheiber ist Schreiben heilige Arbeit. Er bringt mit Gottesfurcht und Truthahnfeder Buchstabe für Buchstabe der Bibel auf eine Pergamentrolle. Etwa ein Jahr benötigt er für das fromme Werk.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum EXTRA 05/2026 vom 30.04.2026, Seite 2
Schreiben tut gut
Schreiben tut gut
Worte, die wir uns selbst und anderen schenken
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Schreiben ist gesund und ein bewährtes Mittel zur Selbsterkundung. Im therapeutischen Sinne wird das Schreiben zum »geschützten Probedenken«. Einfach den Stift ansetzen und loslegen, rät ein Autor in diesem EXTRA: »Ich erforsche meine Seele und schreibe täglich Morgenseiten. Ich lerne, auch das zu Papier zu bringen, was mir unangenehm ist, mich irritiert oder gar erschreckt. Was dort steht, ist mein Geheimnis.«

Mit der eigenen Handschrift offenbaren wir uns, sagt der Grafologe in diesem EXTRA und erzählt, was die Handschrift alles über den Menschen verraten kann. Schreiben mit der Hand ist etwas Ganzheitliches, Dutzende Muskeln sind daran beteiligt, unzählige Nervenverschaltungen im Gehirn. Schreibenlernen ist ein Stück Menschwerdung. Kinder sollten für ihr eigenes Seelenheil das Schreiben mit der Hand erlernen. Und sie sollten wissen: Auch die erprobte Schriftstellerin starrt manchmal noch auf das leere Blatt, weil sie sich mit zu hohen Erwartungen an sich selbst quält. Davon erzählt eine Buch-Autorin in diesem EXTRA.

Geschriebenes kann in einer Schublade gehütet werden, oder als Einkaufszettel, als Schulaufsatz, als Tagebuch, als Brief, als Morgenseite das Licht der Welt erblicken. Geschriebene Worte können verletzen, vernichten. Doch sie können auch der Auslöschung etwas entgegensetzen, Mauern des Schweigens einreißen. Schreiben ist eine menschliche Handlung, ein lebensnotwendiger Einspruch gegen Hass, Gewalt und Gemeinheiten. Schreiben stiftet Beziehung, schafft Selbsterkenntnis, Liebe und Versöhnung. Wir spüren die Kraft, unser Leben und die Welt zum Guten zu verändern. Schreiben tut gut.

Klaus Hofmeister

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Personalaudioinformationstext:   Klaus Hofmeister ist Redakteur für Kirche und Religion beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Er lebt in Kahl am Main.
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