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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2017
Wie viel Religion verträgt die Kunst?
Eine Spurensuche auf der documenta
Der Inhalt:

Pierre Stutz über unverbogenes Leben

Lassen sich Ärger und Wut verwandeln? Und in was? Norbert Copray bespricht Pierre Stutz’ Buch »Lass dich nicht im Stich«
Wohin mit dem täglichen Ärger, der stillen Wut? Norbert Copray bespricht das neue Buch von Pierre Stutz, das Antwort auf diese Frage gibt. (Foto: luxuz:.photocase.de; Litho: Patmos Verlag)
Wohin mit dem täglichen Ärger, der stillen Wut? Norbert Copray bespricht das neue Buch von Pierre Stutz, das Antwort auf diese Frage gibt. (Foto: luxuz:.photocase.de; Litho: Patmos Verlag)

Wie kann sich ein Mensch im Stich lassen? Er gibt auf, er resigniert, er zieht sich in sich zurück. Er wehrt sich nicht, er lässt sich das Selbstwertgefühl mindern. Er heuchelt Einverständnis, wo er nicht einverstanden ist. Er frisst den Ärger in sich hinein. Er gewöhnt sich an Ungerechtigkeiten. Er lässt sich zu Gewalt hinreißen und wird unversöhnlich – mit den anderen, mit der Welt, mit sich selbst.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 14/2017 vom 21.07.2017, Seite 54
Wie viel Religion verträgt die Kunst?
Wie viel Religion verträgt die Kunst?
Eine Spurensuche auf der documenta
Norbert Coprays gesammelte Werke

Wenn alles zugleich auf einen Menschen zutrifft, ist er fast am Ende. Dann ist es entscheidend, ob ihn andere auffangen. Vorher und schon bei einem dieser Anzeichen heißt es: »Lass dich nicht im Stich.«

Damit das gelingt, erschließt Pierre Stutz »die spirituelle Botschaft von Ärger, Zorn und Wut«. Der spirituelle Berater und Dozent – in Indien würde man Guru sagen – setzt sich offenherzig und radikal mit seinen eigenen Ärger-, Zorn- und Wuterfahrungen auseinander, die ihn fast sein Leben gekostet hätten. Daraus schöpft er als christlicher Theologe und meditativer Lyriker Anstöße und Einsichten, um anderen Menschen seine Erkenntnisse vorzuschlagen, um mit Ärger, Zorn und Wut befreiend und spirituell wachsend umzugehen. »Mich nicht mehr verbiegen lassen« heißt sein erstes Gedicht im Buch nicht von ungefähr, ehe es prosaisch weitergeht. Es ist ein Appell an sich selbst und andere (siehe auch Publik-Forum 9/2017).

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Immerhin legte Stutz im Sommer 2002 – also vor 15 Jahren – sein katholisches Priesteramt nieder, weil er seine Homosexualität leben und sich weder weiter verbiegen noch verstecken wollte. Denn ihm war aufgegangen, wie sehr er sich selbst durch Akzeptanz inhumaner kirchlicher Ver- und Gebote Leid zugefügt hatte, anstatt authentisch seinen eigenen Weg zu gehen. Stutz befasste sich vor 33 Jahren mit den Fluchpsalmen im Alten Testament – eigentlich Erstes Testament – und schrieb als Quintessenz seiner Diplomarbeit: »Wir brauchen eine Sprache des Leidens, damit die Apathie nicht alle verschluckt. Und genau da können uns die Psalmen mit aller Vorsicht vor zu schnellen Vereinfachungen und falschen Übertragungen eine große Hilfe sein.«

Es dauerte bis 1991, ehe Stutz durch sein seelisches und körperliches Leiden – zu dem auch sexueller Missbrauch in seiner Kindheit gehört – fast genötigt wurde, dem aktiv selbst in der Auseinandersetzung zu folgen. Er wollte seinen bisherigen Weg prüfen und neu ausrichten. Seine zweijährige Lebenskrise hat er »nur dank intensiver Psycho- und Atemtherapie überlebt«.

Vor diesem Hintergrund ist sein Buch für andere Hilfe und Wegweiser. Es hat oft appellativen Charakter. Was Stutz sich selbst sagt, daran lässt er seine Leserinnen und Leser teilhaben. Er bietet Reflexionen und Impulse an, um Selbstvertrauen zu entfalten, sich wehren zu lernen, ohne zum Wutbürger zu werden, authentisch zu leben, Ärger in Selbstverantwortung zu verwandeln, wegen Ungerechtigkeiten Friedensinitiativen zu unterstützen, gegen Gewalt gewaltfreien Widerstand zu üben. Beste spirituelle Hilfe.

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