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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2014
Der Superpapst
Franziskus begeistert – doch wohin steuert er die Kirche?
Der Inhalt:

Endlich Vertrauen im Kopf

von Helmut Jaschke vom 28.02.2014
Unsere Werte und Normen sind geprägt von Angst. Die Religion hat sie über Jahrhunderte kultiviert. Doch die Evolution hat begonnen, aus gehorsamen Bürgern offene Menschen zu machen
Vertrauen in der Seele zu verankern, bedeutet einen Umbauprozess im Gehirn. Die Evolution hat uns über Jahrhunderte auf »Angst«  programmiert: Dazu hat auch die kulturelle Übermacht »Christentum« beigetragen. (Foto: Jenner/Fotolia)
Vertrauen in der Seele zu verankern, bedeutet einen Umbauprozess im Gehirn. Die Evolution hat uns über Jahrhunderte auf »Angst« programmiert: Dazu hat auch die kulturelle Übermacht »Christentum« beigetragen. (Foto: Jenner/Fotolia)

Die Frage, wie der christliche Glaube an kommende Generationen weitergegeben werden kann, wird inzwischen als entscheidend für ein Christentum von morgen erkannt und diskutiert. Und doch hat man den Eindruck, es handle sich noch immer um eine Diskussion im Binnenraum des traditionellen christlichen Milieus.

Diese Engführung wird erst dann überschritten, wenn diese Frage in einen größeren Kontext gestellt wird, nämlich den der Evolution des Menschen. Wie geschieht Weitergabe von kulturellen Werten, Normen und Vorstellungen überhaupt?

Vor einigen Jahren haben zwei Forscherinnen, Eva Jablonka and Marion J. Lamb, eine umfangreiche Studie vorgelegt (»Evolution in Four Dimensions. Genetic, Epigenetic, Behavioral and Symbolic Variation in the History of Life«, London 2005), in der sie beschreiben, wie die Entwicklung des Lebens in vier Dimensionen stattfindet: auf genetischem und epigenetischem Wege, durch bestimmte Verhaltensweisen und durch Interaktion, vor allem durch Sprache. Ihre Schlüsselerkenntnis dabei ist, dass Evolution entscheidend von den Umwelteinflüssen abhängt. Je schneller diese Umwelt sich ändert, desto rascher geschieht auch die Weiterentwicklung.

Jablonka und Lamb zeigen, dass Stress ein entscheidender Faktor der Evolution ist. Wenn Stress als lang anhaltende Angst zutage tritt, bewirkt er nachhaltige Veränderungen in bestimmten Hirnregionen. Stress entsteht bereits durch die Notwendigkeit, sich an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen. Nichts Ungewöhnliches also. Doch während moderate Stressreaktionen Verschaltungen im Gehirn auflösen und durch brauchbarere ersetzen können, die den Anforderungen aus der Umwelt besser gerecht werden, ist Dauerstress schädlich.

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