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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2010
Macht und Menschlichkeit
Eine Weihnachtsbotschaft
Der Inhalt:

Die achtsame Wirtschaft

von Thomas Klatt vom 17.12.2010
Deutsche Buddhisten wenden sich gegen die Übel der Ökonomie: Verblendung, Hass und Gier

Die schlechte Nachricht vorab: Eine neue buddhistische Wirtschaftsordnung wird es so schnell weder in Deutschland noch weltweit geben. Es gab zwar auf Sri Lanka Versuche tibetischer Mönche, eine Art buddhistischen Sozialismus zu organisieren, doch ohne Erfolg. »Karl Marx ohne Gewalt« hatte es der damals beteiligte junge Dalai Lama auf eine knappe Formel gebracht, denn die Idee der sozialen Gerechtigkeit sei auch eine buddhistische. Der historische Buddha selbst war gegen Sklaverei und gegen die Unterdrückung der Frau. Aber Buddha war nie ein Revolutionär, sondern mahnte stets als Reformer punktuelle Verbesserungen in der Gesellschaft an.

Im Gegensatz etwa zum Islam oder der christlichen Sozialethik hat der Buddhismus nie eine Wirtschafts- und Sozialethik ausgebildet. Der Grund: Die Dharma-, also die Lehr-Tradition stammt aus einer Zeit, in der die modernen Formen der Vergesellschaftung und der Geldwirtschaft gerade erst im Entstehen waren. Dennoch denken auch Buddhisten über andere Formen des Wirtschaftens nach – und manche praktizieren sie sogar.

Die Sangha, die Versammlung der Buddha-Praktizierenden in der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), kann sich daher glücklich schätzen, einen Karl-Heinz Brodbeck in ihren Reihen zu wissen. Der Würzburger Wirtschaftswissenschaftler und bekennende Buddhist ist zu einer Art Ökonomie-Papst im westlichen Buddhismus aufgestiegen. Kaum ein anderer vor ihm hat im deutschsprachigen Raum je versucht, den Kapitalismus buddhistisch zu analysieren und zu kritisieren.

»Als ich vor 15 Jahren angefangen habe, über buddhistische Wirtschaftsethik zu publizieren und den Begriff der Gier verwendet habe, da haben mich meine lieben Fachkollegen angeguckt, als käme ich vom Mars. Wirtschaft ist doch ein objektives Gefüge von Gesetzmäßigkeiten und sogenannten Sachzwängen. Das hat doch nichts mir Gier zu tun, Gewinnmaximierung ist höchst rational«, erinnert sich Brodbeck.

Die Wirtschaftswissenschaft sei die einzige Disziplin, die es seit Jahrzehnten schaffe, sich trotz dauernder Fehlschläge und Fehlprognosen immer wieder als objektiv darzustellen und damit einen erheblichen Einfluss auf die Politik zu nehmen, warnt er. Dieser Illusion solle man sich aber entziehen. Aufgabe heutiger Buddhisten müsse es sein, die drei Gifte in der Welt – Verblendung, Gier und Hass – in der Wirtschaft zu erkennen

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