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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

»Der Glaube muss dem Leben dienen«

von Hartmut Meesmann vom 07.12.2012
Die Theologen Klaus-Peter Jörns und Hubertus Halbfas gründen die Gesellschaft für eine Glaubensreform

Jetzt haben sie Nägel mit Köpfen gemacht und die Gesellschaft für eine Glaubensreform gegründet: der evangelische Theologe Klaus-Peter Jörns als Motor und der katholische Religionspädagoge Hubertus Halbfas als Kopilot. Schon seit einigen Jahren fordern beide in ihren Büchern vehement eine grundlegende Neuorientierung innerhalb des Christentums. Und so sei er auf Halbfas zugegangen, berichtet Klaus-Peter Jörns. Das Ergebnis ist der neue bekenntnisoffene Zusammenschluss. Er wurde kürzlich in aller Stille im bayerischen Berg ins Leben gerufen, unterstützt von einer Schar weiterer Mitstreiterinnen und Mitstreiter. »Der christliche Glaube muss eingehen auf das, was die Menschen bewegt, was sie erhoffen, fürchten und wirklich glauben«, heißt es in der Präambel der neuen Gesellschaft. Das jedoch sei immer weniger der Fall. Man beobachte bei den Kirchen, dass sie zwar Strukturreformen angingen, nicht aber »die notwendige Reform des überlieferten Glaubens«.

Warum eine Reform des Glaubens? Weil »Glaube und Religion dem Leben zu dienen haben«, weil sie »Leiden lindern oder heilen« und »lebensfeindliche Gesellschaftsstrukturen bekämpfen« sollten. Doch modernen Menschen werde der Zugang zum Glauben erschwert und verhindert: durch die »oft sklavische Bindung allein an Bibel und Bekenntnisschriften beziehungsweise Dogmen« oder durch das Festhalten an einem Verständnis des Abendmahls beziehungsweise der Eucharistie als Sühnopfermahl, wodurch Gott in einen »schrecklichen Pakt mit tödlicher Gewalt« hineingestellt werde. Für wichtig halten es die Glaubensreformer, auch die anderen Religionen in den Glauben an den einen Gott hineinzunehmen. »Bei mir«, sagt Klaus-Peter Jörns, »spielt die Kritik am evangelischen Schriftprinzip sowie die Verbindung von Glauben und Evolutionstheorie und Quantenphysik die größte Rolle« bei der Suche nach einem zeitgemäßen Glauben.

Als Ziele für eine Glaubensreform, für die die Gesellschaft eintritt, werden unter anderem genannt: eine offene Diskussion der kritischen Anfragen an den Glauben in den Kirchen selbst; eine größere Freiheit der Kirchengemeinden bei der Gestaltung ihrer Liturgien; die wertschätzende Berücksichtigung der Glaubensschätze nichtbiblischer Religionen; nicht zuletzt eine entschiedene Fortführung der historisch-kritischen Erforschung der Bibel und ihre Ergänzung »durch eine theologische Kritik unserer Überlieferungen«.

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