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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2012
Leben gegen die Angst
Die Gesellschaft ist gelähmt. Doch die Kirchen nutzen ihre Kraft nicht
Der Inhalt:

»Terror ist nur die Endstufe«

von Micha Heitkamp vom 23.11.2012
Rechtsextremismus wird alltäglich – in immer mehr Regionen Deutschlands. Weshalb? Fragen an den Historiker Ralf Melzer

? Herr Melzer, Sie haben im November eine Studie über Rechtsextremismus herausgegeben. Ein Ergebnis: 7,3 Prozent der Westdeutschen, aber 15,8 Prozent der Ostdeutschen haben ein rechtsextremes Weltbild. Im Westen nimmt die Zahl seit 2002 ab, im Osten dagegen zu. Ist Rechtsextremismus mittlerweile ein spezifisch ostdeutsches Problem?

! Nein, Rechtsextremismus ist nicht nur ein ostdeutsches Problem. Aber in Ostdeutschland hat er in den zurückliegenden zwei Jahren stark zugenommen. Rechtsextremismus ist dort im öffentlichen Raum dominanter. Es gibt eine große Präsens der NPD, gerade in Wahlkampfzeiten. Und besonders in ländlichen Gegenden sind Teile der Alltags- und Jugendkultur von Rechtsextremismus geprägt. In dieser Form ist das in bestimmten ostdeutschen Gegenden deutlicher zu sehen als in westdeutschen.

? Ist denn in strukturell schwachen Gegenden Westdeutschlands Rechtsextremismus ebenso verbreitet wie im Osten?

! Es gibt auch Regionen in Westdeutschland, in denen soziale Spaltung und Perspektivlosigkeit das Phänomen Rechtsextremismus erklären. Insgesamt kann man feststellen, dass rechtsextremes Denken in ländlichen Regionen stärker verbreitet ist als in Städten.

? Denken eher junge oder eher alte Menschen rechtsextrem?

! Generell steigt die Neigung, menschenfeindlich zu denken, mit dem Alter an. Es gibt in unserer neuen Studie allerdings eine Ausnahme, die Anlass zur Beunruhigung ist: Wir haben festgestellt, dass in vier von sechs gemessenen Dimensionen von rechtsextremen Einstellungen die Werte bei den Vierzehn- bis Dreißigjährigen in Ostdeutschland höher sind als in allen anderen Altersgruppen. Das ist ein neuer Trend, gegenläufig zum üblichen Altersverlauf.

? Gibt es also eine Art »Lost Generation«?

! Von einer »Lost Generation« zu sprechen wäre zu dramatisch. Aber man kann sagen, dass es in Ostdeutschland eine junge Generation gibt, in der rechtsextreme Einstellungen stark verbreitet sind. Bei ostdeutschen Vierzehn- bis Dreißigjährigen sind 38,5 Prozent ausländerfeindlich eingestellt.

? Gibt es denn keine demokratische Partei, die diese G

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