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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2013
Die Kraft der Stille
Der Inhalt:

»Stein der Hoffnung«

von Gerhard Thomas vom 08.11.2013
Wanderausstellung: Martin Luther King und die DDR

Mit einer Wanderausstellung, die noch bis zum 6. Dezember in der Berliner Marienkirche zu sehen ist, erinnert das Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage in Werdau an die Bedeutung, die der berühmte US-Bürgerrechtler für die Opposition in der DDR hatte. Anlass für die Ausstellung, die ab Januar ausgeliehen werden kann, ist der fünfzigste Jahrestag des Berlin-Besuches von Martin Luther King im September 1964. Er besuchte damals beide Seiten des geteilten Berlin. Für viele Menschen in Ostberlin war das eine Sensation. Die Marienkirche, wo der schwarze Baptistenpastor aus den USA predigte, war so überfüllt, dass die Veranstaltung in der nahen Sophienkirche wiederholt wurde.

Etwa 3000 Menschen ließen sich durch die ebenso fromme wie politische Rede Kings begeistern. Auch die Überschrift der Ausstellung über Kings Wirkungsgeschichte in der DDR ist ein Zitat aus jener Rede: »Aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung bauen«. Und das, weil – so King – »zu beiden Seiten der Mauer« Kinder Gottes leben und »keine von Menschenhand errichtete Grenze« diese Tatsache auslöschen kann.

Die Bild- und Textdokumente der Ausstellung zeigen, wie sich in vielen Bereichen der DDR-Gesellschaft Spuren und Einflüsse Martin Luther Kings nachweisen lassen. Seine Gedanken zum gewaltfreien Widerstand, die seine Bürgerrechtsaktionen in den USA prägten und zum Erfolg führten, haben besonders die Friedens- und Menschenrechtsgruppen inspiriert. In den 1980er-Jahren sind sie mit dem Symbol »Schwerter zu Pflugscharen« zu einer Freiheitsbewegung gewachsen. Sie mündete im Herbst 1989 in die Friedliche Revolution.

Es ist ein Verdienst der Ausstellung, dass sie anhand der Wirkung Martin Luther Kings in der DDR auch die Geschichte der widerständigen DDR-Bürger veranschaulicht. Dabei ist interessant, wie den DDR-Mächtigen durchaus bewusst war, wie gefährlich die Gedanken Kings für sie waren. Ihr ambivalenter Umgang mit dem US-Bürgerrechtler zeigt das deutlich. Einerseits priesen sie seinen »antiimperialistischen« Kampf in den USA, andererseits fürchteten sie seinen Einsatz für die Menschenrechte.

Die Ausstellung macht klar, dass Kings Vermächtnis nicht nur historisch bedeutsam ist. Wie aktuell seine Gedanken sind, zeigt dies Zitat: »In aller Objektivit

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