Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2013
Die Kraft der Stille
Der Inhalt:

Sparen genügt nicht ...

von Roland Bunzenthal vom 08.11.2013
... dachte vor 25 Jahren US-Finanzminister Nicholas Brady und half, Lateinamerika zu entschulden. Ein Modell für Europa?

Aus der Vergangenheit lernen – das fällt Politik und Wirtschaft schwer. Dies zeigt sich einmal mehr in der europäischen Staatsschuldenkrise. Noch immer erhoffen sich die Politiker in Berlin, Paris und Brüssel die Lösung der Krise von einer Sparpolitik nach dem Motto: Wer wie die Griechen über die eigenen Verhältnisse gelebt hat, muss seinen Gürtel enger schnallen. Also werden Staatsausgaben gekürzt und Steuern erhöht, um die Schulden zu senken. Doch was ist, wenn die lange angehäuften Schulden auch dann nicht abgebaut werden? Dann ist guter Rat teuer.

Dieser gute Rat könnte aus der Vergangenheit kommen: aus der Schuldenkrise Lateinamerikas in den 1980er-Jahren. Auch hier verordneten die westlichen Regierungen zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)und der Weltbank harte Sparprogramme. Doch sie schafften damit nur immer mehr Armut.

Dann brach ein deutscher Spitzenbanker das Tabu. »Einen Forderungsverzicht kann ich grundsätzlich nicht ausschließen«, erklärte der damalige Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, 1989 in Washington. Ein Jahr zuvor hatten Aktionsgruppen, Hilfswerke und unabhängige Wissenschaftler erstmals einen Kongress in Berlin veranstaltet, der den rigorosen Sparkurs von IWF und Weltbank scharf kritisierte. Auch einen Schuldenerlass brachten die Kritiker ins Gespräch. Zunächst blieb die Forderung folgenlos. Doch dann kam die Überraschung: Der neue US-Finanzminister Nicholas Brady entwarf einen Plan zur Entschuldung – nach der Idee von Herrhausen. Dieser hatte von seinem Vorgänger an der Spitze der Deutschen Bank, Hermann Josef Abs, gelernt, dass eine umfassende Entschuldung auch positive Wirkungen für die Volkswirtschaften der Gläubigerländer haben kann. Denn: Hoch verschuldete Länder können wenig kaufen. Werden Schulden erlassen, dann stehen sie wieder als Käufer zur Verfügung. Zudem ist auch den Gläubigern der Erlass eines Teils der Schulden lieber als ein Totalverlust.

So dachte auch Nicholas Brady. Er entwickelte einen Plan zur Kappung der Schulden, der die Interessen der Schuldner wie auch die der Banken berücksichtigte – im Sinne eines Insolvenzverfahrens:

Ein Teil der Schulden wurde erlassen, weil die lateinamerikanischen Länder trotz aller Einsparungen nich

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen