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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

Barmherziger Islam

von Norbert Copray vom 09.11.2012
Ein Gegenentwurf zu einem versteinerten Koran-Verständnis

Mouhanad Khorchide Islam ist Barmherzigkeit Grundzüge einer modernen Religion. Herder. 220 Seiten. 18,99 €

Der Dalai Lama sieht in ihr das »Herz der Religionen«, Walter Kardinal Kaspar den Zentralwert des Christentums. Eugen Drewermann und Karen Armstrong halten sie für den Kern der christlichen Botschaft. Für das Judentum ist sie eine herausragende Eigenschaft Gottes. Und der Muslim Mouhanad Khorchide identifiziert sie mit Gott: die Barmherzigkeit. Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik und Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, geht nicht nur davon aus, dass Gott Barmherzigkeit ist. Er sieht in der Barmherzigkeit gar die zentrale Botschaft des Islams und entwirft von daher eine islamische Theologie der Barmherzigkeit.

Das mag all jene verwundern, wenn nicht gar skeptisch stimmen, die den Islam überwiegend mit Gehorsam und Härte, gar mit fundamentalistischen und militanten Grundzügen in Verbindung bringen; die ihn für eine versteinerte, traditionalistische und bevormundende Religion halten. Khorchide setzt ausdrücklich auf eine moderne Deutung des Korans und damit des gesamten Islams. Er zeigt überzeugend auf, dass der Islam nicht mit einer »schwarzen Pädagogik«, sondern vor allem mit Liebe, Wertschätzung und Freiheit verbunden ist. Die Verbindung von Züchtigung und Strafe mit der Religion hat im Gottes- und Menschenbild Khorchides ausgedient.

Der Theologe entwickelt zunächst ein strikt am Koran orientiertes Gottes- und Menschenbild. Er zeigt Missverständnisse im Umgang mit der islamischen Tradition auf. Er beschreibt, wie sehr die Beziehung zwischen Gott und Mensch von der Liebe geprägt ist und geprägt sein soll; und dass »Religion mehr ist als Ethik« und die äußerliche Befolgung von Vorschriften: Gott gehe es »in erster Linie darum, in Beziehung mit dem Menschen zu treten. Die spirituelle Dimension steht im Vordergrund«. Aus dieser Liebesbeziehung heraus solle und könne der Mensch Gutes tun.

Geboren im Libanon, aufgewachsen in Saudi-Arabien, in den Schulferien bei den Großeltern im Libanon, umgeben von der multireligiösen Gesellschaft dort, vom orthodoxen Islam in Saudi-Arabien, schließlich zum Studium nach Österreich – Khorchide bringt einen breiten Erfahrungshorizont mit. Sein Studium der islamischen Theologie und der Sozi

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