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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

Der Segen der Frauen

Tausend Jahre lang war das Priestertum in Indien fest in männlicher Hand, nun fassen Frauen wieder Fuß im öffentlichen religiösen Leben. Eine deutsche Pfarrerin erzählt von ihrer Begegnung mit Hindu-Priesterinnen

Wir werden mit Gesängen, dem heiligen Feuer und einer Schriftrolle empfangen: »Women Priestesses of Jnana Prabodhini are very eager to welcome you.« – »Die Priesterinnen von Jnana Prabodhini freuen sich, euch willkommen zu heißen.«

Es ist ein Ausbildungsort der besonderen Art, den wir Pfarrerinnen aus Deutschland in Indien besuchen. Unsere Reise hat eine Vorgeschichte, in der es drei Anstöße gab, sich auf den Weg zu machen. Der erste: Das Goethe-Institut in Pune startete vor einiger Zeit das Projekt »Being woman«. Die damals 25-jährige Berliner Fotografin Yana Wernicke wird eingeladen, in Pune erfolgreiche Frauen zu fotografieren, die in der indischen Gesellschaft etwas bewirken. Sie entdeckt hinduistische Priesterinnen. Sie wohnt bei ihnen, fotografiert sie, bringt ihre ganz eigene Stärke und Wandlungskraft ans Licht. Es entstehen keine Fotos von erfolgreichen Anwältinnen und Managerinnen, die überall in der Welt zu Hause sind. Stattdessen lichtet Yana Wernicke Frauen ab, die oft schon älter sind, vom Leben gezeichnet. Diese Priesterinnen gehen in die Häuser von Menschen aller Schichten und Kasten und begleiten sie mit uralten Ritualen in wichtigen Übergangsphasen von Geboren werden, Leben, Sterben, Tod und Gedenken.

Der zweite Anstoß für unseren Besuch: Dass es nach circa tausend Jahren wieder Priesterinnen in Indien gibt, lässt uns nach deren Geschichte fragen. In den Schriften des Hinduismus, den Veden, kommen sie als Leiterinnen von Ritualen vor.

»Wir inspirieren die Nation«

Doch was sind die Ursachen dafür, dass Frauen am öffentlichen religiösen Leben lange keinen Anteil hatten? Aarya Joshi, die Leiterin der P