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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2013
Gehätschelt und doch betrogen?
Familien in Deutschland
Der Inhalt:

Schlachthof und Kirche

vom 11.10.2013

Zu: »Fünf tote Hähnchen pro Sekunde« (17/13)

Wenn wir um 1960 ein Huhn essen wollten, gingen wir zu zweit in den Hühnerstall und fingen das gewünschte, meist alte Tier ein, trugen es zum Hackklotz und schlugen ihm mit dem Beil den Kopf ab. Damals allerdings war uns das ganze Tier wert, dass es gegessen wurde, von der knusprigen Haut bis zu Leber und Magen. Das Problem heute ist nicht der Schlachthof. Er ist die konsequente Antwort auf unsere Nachfrage nach immer mehr Fleisch in großen Stücken. Doch ein Schlachthof vor unserer Stadt? Nein, danke! Und natürlich soll der Vertreter unserer Liebe-die-Schöpfung-Religion, unser Pastor, dagegen wettern, wie weiland Luther gegen die Bauern. Dann könnten wir uns nachher in Ruhe unserem Mittagsmahl zuwenden: Hähnchenbrust in Dill-Kapern-Sauce. Oh wir Heuchler!

Karl-Heinz Haid, Isny

»Wenn mir ein Gemeindemitglied sagt: ›Toll, ich habe Arbeit im Schlachthof gefunden!‹, soll ich ihm dann sagen, das ist nicht in Ordnung?«, fragt ein Pfarrer in dem Artikel. Zu dieser Frage fällt mir ein: Eure Rede sei ja, ja und nein, nein. Zustände, auch wenn sie unsäglich sind, müssen benannt werden, und eine Arbeitsstelle darf kein goldenes Kalb sein. Die Zustände in der Massenproduktion von Hühnern schreien zum Himmel. Jemand, der christlich handeln will, kann damit unmöglich guten Gewissens sein Brot verdienen.

Angela Schwarzer, Würzburg

Ein Pastor, der mit Unterstützung seines Kirchenvorstandes angesichts vom qualvollen Leben und Sterben von Millionen unserer Mitgeschöpfe sein Nichtstun mit dem folgenden Satz rechtfertigt: »Der Schlachthof ist keine Bedrohung für unseren Ort«, drängt mich dazu, aus der Kirche auszutreten. Ja, weiß der Kirchenmann denn nichts von den weltweiten katastrophalen Auswirkungen des exzessiven Fleischkonsums westlicher Industriestaaten: Klimawandel, Zerstörung der Märkte der sogenannten Dritten Welt, Landraub, Regenwaldabholzung, Züchtung von resistenten Keimen, Wasserverschwendung und -vergiftung, Welthungerkatastrophe? Was zum Beispiel den Klimawandel betrifft, so wird durch die Massentierhaltung genauso viel CO2 produziert wie durch den weltweiten Autoverkehr. Die Intensivhaltung produziert auch große Mengen Mist und Gülle, die dann oft auf den naheliegenden Feldern entsorgt werden. Wahrsc

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