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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2013
Gehätschelt und doch betrogen?
Familien in Deutschland
Der Inhalt:

Giftiges Gold

von Silviu Mihai vom 11.10.2013
Rumänien: Aufstand der jungen Mittelschicht gegen ein Bergbauprojekt in Siebenbürgen

Es ist Wahnsinn«, ruft Cristian Branea, als er auf dem Bukarester Universitätsplatz vom Fahrrad steigt. »Wir haben gezeigt, dass die Bürger tatsächlich etwas bewegen können!« Wie jeden Sonntag trifft sich der 35-Jährige mit mehreren Hundert anderen Rumänen auf dem Platz. Sie demonstrieren gegen das umstrittenste Wirtschaftsprojekt in der jüngsten Geschichte Rumäniens. »Es geht nicht nur um die Umwelt, sondern auch um Demokratie«, sagt Branea.

Seit Ende August protestieren Zehntausende Rumänen wie Cristian Branea gegen ein umweltgefährdendes Goldbergbauprojekt im siebenbürgischen Dorf Rosia Montana. Kurz zuvor hatte Ministerpräsident Victor Ponta entgegen seinem Wahlversprechen grünes Licht für das Projekt gegeben: Ein kanadischer Konzern sollte die Lizenz erhalten, hier Gold abzubauen. Bei dem Verfahren sollte hochgiftiges Zyanid zum Einsatz kommen. Die Gegner des Projekts aber haben die fatalen Folgen vor Augen: In der Goldmine im rumänischen Baia Mare flossen im Jahr 2000 Zehntausende Liter Zyanid aus und verseuchten die Flüsse.

Der unerwartete Druck der Straße hat die Regierung nun gezwungen, einen Schritt zurück zu machen und das Parlament einzuschalten. Ende Oktober soll ein Sonderausschuss einen Bericht präsentieren, über den die Abgeordneten abstimmen sollen. Währenddessen gehen die Proteste unter dem Motto »Vereinigt retten wir Rosia Montana« weiter. »Wir geben nicht auf, bis das Projekt endgültig gekippt ist«, sagt Aktivist Branea. Er meint, dass die Beratungen sich länger hinziehen könnten: »Die Regierung verfolgt die Strategie, Ausschuss und Parlament bis zum Winter beraten zu lassen, sodass wir wegen der Kälte nicht mehr auf die Straße gehen können. Aber diese Rechnung wird nicht aufgehen.«

Auslöser für die Wut der Demonstranten war vor allem auch der Umgang der Regierung mit dem Thema. Ein Gesetzentwurf, der dem Bergbaukonzern Gabriel Resources den Weg ebnen sollte, sah vor, ihm zahlreiche Ausnahmen von gesetzlichen Bestimmungen zu gewähren. Die Investition sollte als »strategisch« gelten und damit nicht mehr unter die üblichen Umweltvorschriften fallen. Selbst im Regierungslager kritisierten viele den Entwurf als verfassungswidrig.

Anfang September, als die Demonstranten täglich den Universitätsplatz in Bukarest besetzten, verkündete Ministerpräsident Ponta überraschend das Aus für das Projekt.

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